Weinberge. 161
großen Schwankungen unterworfen wie der Ertrag der
Weinberge. Auch unter ſich ſind die Weinberge ja ſehr ver⸗
ſchieden. Die einen tragen viel, die anderen wenig Trauben; die einen liefern viel, die andern wenig Holz und Blätter, und dazu kommt, daß auch der Gehalt der Weinbergböden an Nährſtoffen ſehr ungleich iſt. Anderer⸗ ſeits aber kommt ein Umſtand in Betracht, der die Frage der Weinbergdüngung vereinfacht, der Umſtand nämlich, daß im Vergleich zum Werte des Produktes die Koſten der Düngung ſehr gering ſind, ſo daß die Vorteile, die man ſich durch knappe Zumeſſung der Nährſtoffe, durch etwaigen Raubbau an Kali oder Phosphorſäure machen könnte, nicht ins Gewicht fallen gegen den Nachteil, den man bei un⸗ zureichender Düngung durch Minderertrag an Trauben
haben würde. Intenſive Ernährung des Weinſtocks um
jeden Preis, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß einmal etwas mehr Phosphorſäure oder Kali oder Stickſtoff angewendet werden ſollte, als unbedingt erforderlich iſt, das muß der erſte Grundſatz hier ſein, und wir wollen zunächſt fragen:
1. Reicht die mittlere Stallmiſtdüngung des Weinberges aus,
um ſeinen Bedarf an Nährſtoffen zu decken?
Die Stallmiſtdüngung, die man für Weinberge zu
verwenden pflegt, iſt ſehr ſchwankend. Man düngt mit 300— 800 dz Stallmiſt auf einen Hektar und wiederholt dieſe Düngung alle 2—3—4 Jahre. Um eine beſtimmte Grundlage zu haben, will ich annehmen, es werde alle drei Jahre mit 500 dz Stallmiſt gedüngt. Das wird auch wohl der ungefähre Durchſchnitt ſein und daraus berechnen ſich für das Jahr 170 dz Miſt. Nun die Frage: Enthalten
die 170 dz Stallmiſt ſo viel Nährſtoffe, wie 1 ha Wein⸗
bergboden verlangt? Wagner, Düngemittel. Siebente Auflage. 11
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