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Die Stickſtoffbüngung der Wieſen. 141
Wieſe nicht ſo groß ſein kann wie auf dem Getreidefeld. Durch je 1 d Natronſalpeter erzielt man erfahrungs⸗ gemäß 3— 4 dz Getreidekörner mit entſprechendem Stroh. Auf der Wieſe aber werden durch je 1 dz Salpeter nur 6—7 dz Heu erzeugt, und auch dieſe nur der Rechnung nach. Erfahrungsgemäß iſt der Mehrertrag nur halb ſo groß. Es liegen mir 15 Reihen von Wieſenverſuchen vor, bei denen die Wirkung einer Düngung von je 2 dz Natron⸗ ſalpeter auf den Hektar feſtgeſtellt wurde, und die 3, 4, 6 und 7 Jahre durchgeführt wurden. Im Mittel der 15 Reihen und aller Verſuchsjahre hat die Gabe von 2 dz Salpeter einen Mehrertrag von nur 6,8 d Heu erzeugt. Das bringt auf 1 dz Salpeter nur 3— 4 dz Heu, alſo nur halb ſo viel als der Rechnung nach entſtehen ſollte. Die Sicherheit, daß der Salpeter den normalen Mehrertrag liefert, iſt auf dem Getreideacker weitaus größer als auf
der Wieſe. Auf der Wieſe wachſen Gräſer und Kleearten,
Stickſtoffmehrer und Stickſtoffzehrer durcheinander und dadurch wird die Sache verwickelt. Düngt man die Wieſe mit Stickſtoff, ſo werden die Gräſer und andere Stickſtoff⸗ zehrer den Stickſtoff aufnehmen und ihn verarbeiten. Aber auch der Klee und andere Leguminoſen werden verſuchen, einen Teil davon zu erlangen, denn wenn dieſe Pflanzen unter Mitwirkung ihrer Knöllchenbakterien auch fähig ſind, den Stickſtoff der atmoſphäriſchen Luft aufzunehmen, ſo iſt ihnen die Aufnahme von Salpeterſtickſtoff doch viel be⸗ quemer. Wird dem Klee Salpeter geboten, ſo deckt er ſeinen Stickſtoffbedarf aus dieſem, ſo lange der Vorrat reicht. Iſt die bequemere Quelle verſiegt, ſo greift er zur weniger bequemen, zur atmoſphäriſchen Luft. Infolge dieſes Umſtandes wird die Wirkung einer Salpeterdüngung Lauf der Wieſe recht verſchieden ſein, und es iſt nicht mög⸗ lich, ſie im gegebenen Fall ſo beſtimmt vorauszuſagen


