Die Ermittlung des Düngebedürfniſſes eines Bodens uſw. 29
Beiſpiel ein Sandboden, der Boden B ein Lehmboden. Beide Böden waren in beſtgelockertem Zuſtande in die Ge⸗ fäße gebracht. Jedes Gefäß hatte die gleiche Höhe und in jedes derſelben war die gleiche Anzahl Samenkörner geſät worden; alſo auch die Pflanzweite war bei A und B gleich. War aber dies auch auf den betreffenden Ackern der Fall? Nein! Den Sandboden hatte man tief, den Lehmboden flach gepflügt: der Sandboden war tief und gleichmäßig, der Lehmboden flach und weniger gleichmäßig gelockert; dem Sandboden hatte man eine ſtarke, dem Lehmboden eine ſchwächere Einſaat gegeben; kurz— der Unterſchied in den Bedingungen, welche auf die Wurzelentwickelung und da⸗ mit auch auf die Nährſtoffaufnahme von Einfluß ſind, war unter den zwei Böden auf dem Acker größer als beim Ge⸗ fäßverſuch. Bei der Ackerkultur bot der Sandboden gün⸗ ſtigere Bedingungen für die Wurzelentwickelung und die Nährſtoffaufnahme als der Lehmboden, während beim Ge⸗ fäßverſuch der Unterſchied bei weitem nicht ſo groß war. Und was mußte die Folge davon ſein? Beim Gefäßverſuch hatte der Boden A 50 Teile, der Boden B 100 Teile Phosphorſäure abgegeben, bei der Ackerkultur dagegen hatte der Boden A 50 Teile, der Boden B nicht 100, ſondern nur 60 Teile Phosphorſäure den Pflanzen gegeben.
Der Gefäßverſuch alſo hatte in dieſem Fall ein Er⸗ gebnis geliefert, das weder abſolut noch relativ auf den
Acker zu übertragen war, und das uns, wenn wir es kritik los hingenommen hätten, zu einem Fehlſchluß verleitet 6
haben würde. 3
Auch hier kommen wir ſomit wieder zu dem ſchon mehrfach gezogenen Schluß: Nur in außergewöhnlichen Fällen, nur bei ausnehmend großer Nährſtoffarmut oder ausnehmend großem Nährſtoffreichtum des Bodens kann der Goſißperſuch uns zuverläſſige Auskunft über das


