24 Wie iſt das Düngebedürfnis eines Bodens feſtzuſtellen?
praktiſch vorkommenden Fälle aber ſind nicht die Ptrornen, ſondern die mittleren. Auch folgendes iſt zu beachten. Es kann unter Um⸗ ſſtänden vorkommen, daß ein an löslicher Phosphorſäure armer Boden eine prozentiſch reichere Ernteſubſtanz liefert als ein reicherer. Von vielen Beiſpielen, die dies zeigen, möge das folgende hier angeführt ſein. Bei Feldverſuchen mit Winterroggen erhielten wir auf der ungedüngten Par⸗ zelle ein Stroh mit 0,194% Phosphorſäure, auf der mit 300 kg Superphosphat und 200 kg Chiliſalpeter ge⸗ düngten ein Stroh, das nur 0,168% Phosphorſäure enthielt. Wie iſt dies ſeltſame Ergebnis zu erklären? Wie iſt es möglich, daß der mit Superphosphat gedüngte Boden ein phosphorſäureärmeres Stroh geliefert hat als der ungedüngte? Das iſt ſehr einfach. Auf der un⸗ gedüngten Parzelle nahmen die Pflanzen die Phosphor⸗ ſäure, die der Boden ihnen bot, auf, aber ſie konnten nicht viel damit anfangen, weil es an Stickſtoff fehlte; die Phos⸗ phorſäure lagerte ſich ab, reicherte die Halme und Blätter an und es wurde ein prozentiſch phosphorſäurereiches Stroh geerntet. Auf dem gedüngten Boden dagegen fehlte es nicht an Stickſtoff, der zugeführte Salpeterſtickſtoff ſetzte die Pflanzen in den Stand, nicht nur die aus dem Boden erhaltene, ſondern auch noch die aus der Superphosphat⸗ düngung aufgenommene Phosphorſäure zu Pflanzenſub⸗ ſtanz zu verarbeiten und den erheblichen Mehrertrag von 2550 kg Stroh+ Körner vom Hektar zu erzeugen. Die Phosphorſäure lagerte ſich hier nicht ab, ſie reicherte die Blätter und Halme nicht an; ſie wurde zu Ernteſubſtanz verarbeitet, und ſo kam es, das nach Phosphorſäure⸗ düngung(unter Zugabe von Stickſtoff) Stroh geerntet wurde, das phosphorſäureärmer war als das vom un⸗ ldüngten Boden erhaltene.


