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Geburtshilfe : für Landwirte / bearb. von A. Tapken
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V

Scheintod und Lebensſchwäche. 137

iſt nicht zutreffend. Das Junge hat erſt das Bedürfnis nach Luft, muß erſt atmen, wenn der Blutkreislauf im Nabelſtrang aufhört und es infolgedeſſen vom Muttertier nicht mehr mit Sauerſtoff verſorgt werden kann. Es pflegt aber ein Druck auf den Nabelſtrang und Verhinderung des Kreislaufs in ihm erſt einzutreten, nachdem das Junge mit dem ganzen Kopf oder noch weiter zum Vorſchein gekommen iſt.

Weſentlich mehr Gefahr bringt die Hinterendlage dem Jungen bei der Geburt. Es kann bereits eine Zuſammenpreſſung des Nabels und Erſtickung erfolgen, wenn ſich die Sprunggelenke außer⸗ halb des Wurfs zeigen. Deshalb geſchieht es bisweilen auch bei Schweinen, die ſchwer ferkeln, daß alle Ferkel, die mit dem Kopf voran kommen, lebend, dagegen die, welche eine Hinterendlage ein⸗ nehmen, ſämtlich in abgeſtorbenem Zuſtande geboren werden.

Eine Erſtickung kann auch erfolgen, wenn das Junge in die Eihüllen eingeſchloſſen zur Welt kommt.

Eine erheblichere Lebensſchwäche wird mitunter auch durch beſondere Krankheiten bedingt und zeigt ſich insbeſondere bei zu früh geborenen Früchten.

Erſcheinungen. Bei wirklichem Scheintod ſind keine Be⸗ wegungen und Atmungen beim Jungen bemerkbar, nur das Herz iſt noch in Thätigkeit, und deſſen Bewegungen laſſen ſich deutlich wahrnehmen, wenn die Hand an der linken Bruſtſeite, dicht hinter dem Vorderfuß, angelegt wird.

In weniger hochgradigen Fällen geht zwar die Atmung vor ſich, ſie geſchieht aber meiſtens in unregelmäßiger Weiſe, ausſetzend, und manchmal unter raſſelndem Geräuſch. Häufig iſt auch Huſten zu hören. Gewöhnlich werden dabei nur ſchwache Bewegungen ausgeführt, bisweilen zeigen ſich aber heftige Zuckungen, namentlich, wenn das Junge dem Verenden nahe iſt.

Die Behandlung muß vor allen Dingen raſch eingeleitet werden. Zunächſt iſt der Schleim, der ſich in der Maulhöhle be⸗ findet, mit der Hand, einem Tuch oder einem Strohwiſch zu ent⸗ fernen. Auch iſt ein wiederholtes Hervorziehen der Zunge von einigem Nutzen. Sodann iſt kaltes Waſſer über den Kopf oder auch über den Rumpf des Jungen zu gießen und darnach die Haut mit Strohwiſchen kleine Tiere mit einem Tuch abzureiben. Das Reiben wird ſo lange fortgeſetzt, bis das Junge anfängt, kräftigere Bewegungen zu machen. Hört der Herzſchlag auf, ſo ſind alle Bemühungen vergebens.