Unfruchtbarkeit. 17
Unfruchtbarkeit kann auf angeborenen Mängeln beruhen, aber auch im ſpäteren Leben erworben ſein; in letzterem Fall iſt ſie manchmal nur vorübergehend, öfters jedoch dauernd vorhanden.
Angeboren iſt Unfruchtbarkeit häufig bei Zwillingskälbern. Wenn das eine Kalb männlichen, das andere weiblichen Geſchlechts iſt, ſo iſt meiſtens das letztere unfruchtbar, ſeltener kommt dies vor, wenn beide gleichen(weiblichen) Geſchlechts ſind. Bei ſolchen unfruchtbaren Zwillingen ſind die Geſchlechtsorgane nur mangel⸗ haft entwickelt; ſie werden wohl Zwicker oder Zwitter genannt — echte Zwitter ſind es jedoch nicht. Mit fortſchreitendem Wachs⸗ tum fallen ſie ſchon durch ihre äußere Erſcheinung auf. Sie gleichen in ihrer Geſtalt dem Ochſen, bekommen lange und wie bei Ochſen geſtellte Hörner, ihr Hinterteil iſt lang und fleiſchig, Wurf und Scheide ſind eng.
Verſchiedene krankhafte Veränderungen an der Scheide, Ge⸗ bärmutter oder an den Eierſtöcken, namentlich Geſchwülſte, können Unfruchtbarkeit bedingen. Nicht ſelten wird dieſe durch einen zu feſten Verſchluß des Muttermundes verurſacht.
Häufig wird Unfruchtbarkeit durch einen chroniſchen Katarrh der Gebärmutter oder der Scheide hervorgerufen. Solche Katarrhe finden ſich namentlich beim Rinde; ſie entſtehen mitunter nach Schwergeburten, hauptſächlich aber nach dem Zurückbleiben der Nachgeburt. Die Erfahrung zeigt, daß nach dem Abfaulen der Eihäute die Tiere lange Zeit nicht wieder rindern oder, wenn ſie belegt werden, nicht trächtig werden bezw. bleiben.
Bei älteren Kühen ändert ſich mitunter die Lage des Wurfes, indem dieſer ſich ſtark nach vorn ins Becken zurückzieht und anſtatt der normalen ſenkrechten, nahezu eine wagerechte Stellung einnimmt. So beſchaffene Tiere werden nicht leicht trächtig. Ebenſo verhält es ſich, wenn ein nicht verheilter Dammriß beſteht.
Veränderte Lebensbedingungen ſind auch von Einfluß auf die Fortpflanzungsfähigkeit. So vermindert ſich oftmals die Fruchtbar⸗ keit, wenn Tiere von einer Gegend in eine andere verſetzt werden und damit in ein anderes Klima und überhaupt in ungewohnte Verhältniſſe kommen. Andauernde Stallhaltung, zumal wenn ſie mit einer zu üppigen Ernährung verbunden iſt, kann Veranlaſſung zur Unfruchtbarkeit geben, ebenſo aber auch eine allzu nährſtoff⸗ arme oder zu gering bemeſſene Fütterung.
Bei fortdauernd betriebener Inceſtzucht— Paarung ſehr nahe mit einander verwandter Tiere— kann ebenfalls Verminderung der Fortpflanzungsfähigkeit und endlich völlige Unfruchtbarkeit eintreten.
Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 2


