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Ackerbau, einschließlich Gerätelehre / von Droysen und Gisevius
Entstehung
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232 VI. Meliorationen.

Hochmoor der Fall iſt ſchwer zerſetzlich und ſo arm, daß es keine größeren Mengen an Pflanzennahrung liefern kann, ſo kann die Veen⸗ kultur zur Anwendung kommen.

2. Die Veenkultur ¹) umfaßt die Entwäſſerung, das Aus⸗ torfen und die Herſtellung einer neuen Ackerkrume(Fig. 175).

a) Die Entwäſſerung erſtreckt ſich bis zu einer ſolchen Tiefe, daß nach der Vollendung der Anlage der Waſſerſtand zwiſchen 1 m und 40 cm unter der Erdoberfläche wechſelt. Die Entwäſſerungs⸗ gräben werden in der Regel zugleich als Schiffahrtskanäle her⸗ geſtellt, ſo daß die größeren 11 m Breite und 1,5 m Tiefe, die kleinern Nebengräben 6 m Breite bei gleicher Tieie erhalten, während deren gegenſeitige Entfernung 60 100 m beträgt.

b

Fig. 175. Veenkolonie.

b) Das Austorfen geht allmählich in der Weiſe vor ſich, daß zuerſt die oberſte loſe Torfſchicht(Bunkerde) abgeräumt, dann der Torf bis zum mineraliſchen Untergrunde ausgeſtocheu und zur Gewinnung von Brenntorf oder Torfſtren, auch wohl von Torfkohle, Leucht⸗ materialien oder Papier verwendet wird. Der Torf wird auf den Kanälen zu Waſſer nach den Städten befördert, und aus dieſen wird als Rückfracht ſtädtiſcher Dünger, unter Umſtänden auch Seeſchlick zu⸗ rückgebracht, daher eben auch der Ausbau der Entwäſſerungsgräben zu ſchiffbaren Kanälen nötig iſt.

c) Der Ackerboden wird neu geſchaffen, indem nach dem Ab⸗ torfen eines Streifens der Abraum(die Bunkerde) des nächſten Streifens auf ihm verteilt und mit dem vom Moor entblößten

¹1)Veen nennt man in Holland und Friesland ein durch Kanäle ent⸗ wäſſertes Moor.