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Ackerbau, einschließlich Gerätelehre / von Droysen und Gisevius
Entstehung
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G. Urbarmachung von Acker und Moor. 231

des Sandes und beſonders des Moores für Phosphorſäure oft eine ganz geringe iſt, da alſo die Gefahr von Verluſten vorliegt, und da andererſeits die Zerſetzung von ſchwerer löslichen Phosphaten in Mooren leicht vor ſich geht. Man verwendet Knochenmehl, Thomasſchlacke und ſelbſt Phosphoritmehl. Für die Kalidüngung gelten dieſelben Regeln, wie auf anderen Böden. ¹) Auf kalkarmen Niederungsmooren düngt man dazu mit AÄtzkalk und kann durch ſehr ſtarke Atzkalkgaben auch die Zerſetzungsreſte des Schwefelkieſes unſchädlich machen. Die Unter⸗ bringung der Düngung, deren erſte Gabe auf den vorher aufgebrachten Sand geſtreut wird, geſchieht mit dem Pfluge.

3. Die wirtſchaftliche Benutzung erſtreckt ſich auf Nieder⸗ legung zur Wieſe, wenn der Bedarf an Futter groß iſt, oder wenn ſich nur eine geringe Entwäſſerungstiefe erzielen läßt, andernfalls auf Ackerbau. Dabei laſſen ſich alle, auch die angreifendſten Pflanzen verwenden, doch bevorzugt man Tiefwurzler, welche das Moor beſſer ausbeuten und lockern. Beſondere Beachtung verlangt das Unkraut, welches ſehr leicht überhand nimmt und daher auf jede Weiſe zu bekämpfen iſt.

4. Die Bedeutung der Deckkultur liegt nicht nur in der Um⸗ wandlung wertloſer Flächen in wertvolle, ſondern auch in ihrem Einfluß auf die zu demſelben Gute gehörenden Mineralbodenflächen. Ohne denſelben eine Fuhre Stalldung zu entziehen, verſorgt das Moor ſie nach Herſtellung der Deckkultur mit Futter, Stroh und Körnern, ſo daß der Viehſtand und der Düngungszuſtand ſich in ausgezeichneter Weiſe heben laſſen. ²)

§ 143. Die Veenkultur des Hochmoores.

1. Der Unterſchied zwiſchen Deck⸗ und Veenkultur beruht darauf, daß bei erſterer die Ernährung der Pflanzen von Phos⸗ phorſäure und Kali abgeſehen von dem Moore gewährleiſtet wird, daß alſo die Decke nach erfolgter Entwäſſerung mehr alsStandorts⸗ verbeſſerung wirken ſoll. Finden wir keinen ſandigen Boden, ſondern nur ſchweren Lehm als Deckmaterial für ein Niederungsmoor vor, und wird ſomit die Ausnutzung des Moores zur Pflanzenernährung durch die Deckſchicht in Frage geſtellt, oder iſt das Moor wie es bei

¹) Man miſcht der Erfahrung folgend auf Wieſen gern Thomas⸗ ſchlacke und Kainit im Verhältnis von 1:4. Im übrigen folgt man den Regeln der Statik.

²) Nach dem verſtorbenen Rittergutsbeſitzer Rimpau in Cunrau, Prov. Sachſen, der den Deckkulturen zuerſt allgemeinere Anerkennung verſchaffte, heißt die Deckkultur auch Rimpauſche Dammkultur.