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Ackerbau, einschließlich Gerätelehre / von Droysen und Gisevius
Entstehung
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G. Urbarmachung von Acker und Moor. 227

nach vorangegangenem Sprengen abgefahren oder in Gruben ver⸗ ſenkt. Kleine Steine werden gelegentlich in kleinen Haufen geſammelt und dann abgefahren. Baumſtöcke werden mit Hilfe von Hebebäumen nach Umgrabung und Durchſchneidung der ſtärkſten Wurzeln heraus⸗ gehoben. Man kann ſie auch durch Sprengen beſeitigen. Heidekraut kann durch Abbrennen in trockener Zeit vertilgt werden.

b) Sehr ſchwerer, zäher Lehmboden, der in manchen Gegenden Tonboden genannt wird, kann durch Erhitzen eine größere Lockerheit und eine beſſere Zerſetzlichkeit ſeiner Pflanzennährſtoffe erlangen. Man errichtet aus billigſt beſchafftem Brennmaterial in trockener Zeit auf dem Felde viele Haufen von 1 m Höhe, bedeckt ſie ganz ſchwach mit Erde und zündet ſie an, worauf man, wenn ſie in vollem Brande ſind, ſo viel Erdſchollen heraufwirft, als ſie irgend erhitzen können. Womöglich erhitzt man ſo eine 10 cm hohe Erdſchicht und verteilt ſie dann gleichmäßig, um ſie einzupflügen.

c) Zur Anregung neu in Kultur genommenen Bodens dient die vor Winter erfolgende Lockerung mit dem Pfluge, welche zur Entfernung ſchädlicher Verbindungen, der Humusſäuren und des Eiſen⸗ oxyduls ein Durchlüften, ſowie zu beſſerer Lockerung ein Durchfrieren bezweckt. Die Beſeitigung von Humusſäuren und Eiſenoxydulver⸗ bindungen kann aber auch durch eine Kalkdüngung auf neu umge⸗ brochenen Feldern gefördert und gleichzeitig die chemiſche Tätigkeit des Bodens angeregt werden. Desgleichen iſt für umgebrochenes humus⸗ reiches Wald⸗, Heide⸗ und Wieſenland die düngung mit Phosphor⸗ ſäure und Kali weſentlich, die in Verbindung mit dem im Humus enthaltenen Stickſtoff den Pflanzen ein ſehr günſtiges Nährſtoffver⸗ hältnis bietet.

§ 141. Hoch- und NMiederungsmoore.

1. Hochmoore oder Torfmoore, wie ſie von der Elbe bis zum Rhein in großer Ausdehnung vorkommen, entſtehen an beliebigen naſſen Stellen, ſelbſt auf Bergen(z. B. auf dem Brocken), durch An⸗ häufung abgeſtorbenen Mooſes, beſonders des Torfmooſes. Da die Maſſe ſchwammähnlich Waſſer aufſaugen kann, ſo entſteht über jeder abſterbenden Schicht eine neue. Der Gehalt an Pflanzennähr⸗ ſtoffen, beſonders an Mineralſtoffen, iſt der Zuſammenſetzung des Mooſes entſprechend ein ſehr geringer, um ſo mehr, als jede lebende Schicht den unteren abgeſtorbenen das vorhandene Wenige an mine raliſchen Stoffen immer wieder entzieht und das Waſſer nicht viel nachliefert. Bemerkenswert iſt der dem Humus eigene, verhältnismäßig hohe Gehalt an Stickſtoff. Bei dem Mangel an Durchlüftung pflegt dagegen der Gehalt an Humusſäuren ein ſehr hoher zu ſein. Das

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