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Ackerbau, einschließlich Gerätelehre / von Droysen und Gisevius
Entstehung
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F. Die Bewäſſerung. 221 aus kalten Quellen ſtammendes Waſſer muß erſt längere Zeit mit der Luft in Berührung geweſen ſein. Nachteilig iſt ein Waſſer, welches aus chemiſchen Fabriken Pflanzengifte aufgenommen hat. Bei der Entnahme von Waſſer aus Flüſſen empfehlen ſich heberartig gebogene Rohre(Fig. 165), die das Waſſer aus der unterſten, viel ſchwebende Teilchen führenden Waſſerſchicht entnehmen.(Die für 1 ha erforderliche Waſſermenge beträgt bei Rieſelung in der Sekunde 16 Liter, obwohl größere Mengen bis zu 40 Liter erwünſcht ſind.) Bei nur kleinen verfügbaren Mengen wäſſert man abteilungsweiſe oder ſucht dasſelbe Waſſer mehrmals auf verſchiedene Stellen zu benutzen. Das Waſſer muß ferner in genügender Höhenhaltung vorhanden ſein, um die Wieſe zu beherrſchen. Oft kann man durch Stauwehre oder Hebewerke, welche zweckmäßig durch Wind oder durch den Bach, aus dem man das Waſſer entnimmt, ſelbſt getrieben werden, das Waſſer auf die

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Fig. 165. Entnahme ſchlickreichen Waſſers.

notwendige Höhe bringen. Bei Bächen mit ſtarkem Gefälle entnimmt man aus dieſen das Waſſer auch durch einen Zuleitungsgraben mit geringem Gefälle und erzielt die Höhenhaltung durch die Gefällerſparnis.

b) Der Boden ſoll womöglich durchlaſſend(Kies, Sand) ſein; weniger geeignet ſind Lehm und Moor, ungeeignet ganz ſchwerer Lehm. ¹)

3. Heuabfuhrwege ſind bei Einrichtung von Wäſſerungs⸗ wieſen nicht zu vergeſſen, da ſonſt die zahlreichen Gräben durch die Wagen beſchädigt werden.

4. Eine kräftige Entwäſſerung darf bei einer Bewäſſerungs⸗ anlage nicht außer acht bleiben, da ſonſt künſtlich ſaure Sümpfe ge⸗ ſchaffen werden, auf denen zwar viel, aber nur geringes Futter wächſt.

§ 139. Die Bewäſſerungsweiſen. Wäſſerungsregeln. 1. a) Die Staubewäſſerung entnimmt das Waſſer durch einen Zuleitungsgraben und durch Verteilgräben, hält es durch Deiche

¹) Sehr ſchwere, undurchlaſſende Böden verlangen zur Verhütung von Säurebildung beſondere Vorſicht beim Wäſſern.