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Ackerbau, einschließlich Gerätelehre / von Droysen und Gisevius
Entstehung
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220 VI. Meliorationen.

Um die Gräben zur Erſparnis an Erdarbeit möglichſt ſchmal machen zu können, bedient man ſich dabei für den unterſten Spatenſtich eines Drainſpatens(Fig. 164). Die Sohle des Draingrabens wird hierauf mit dem Schwanenhals ausgeglichen und darauf der Röhrenſtrang mit der Hand von dem im Graben ſtehenden Arbeiter oder von oben aus mit dem Legehaken vom oberen Grabenende nach dem unteren fortſchreitend gelegt. Dem Röhrenlegen folgt ſofort das Eindecken mit Untergrund, unter Zurückbehalten aller Steine, und obenauf mit Ackerkrume.

Um Bäume und Hopfengärten muß dabei die Drainage in 6 m Ent⸗ fernung herumgeführt, Wege dürfen nur von Sammlern gekreuzt werden, die hier mit ſtarken Röhren zu belegen ſind. In Triebſand und Moor müſſen die Röhren auf Latten(Schalbretter) oder Kiesbett gelagert werden. In Trieb⸗ ſand kann man die Fugen auch durch übergeſchobene weitere Röhren(Fig. 164) dichten.

F. Die Bewäſſerung.

§ 138. Zweck und Erforderniſſe der Bewäſſerung.

1. Die auf Wieſen oft angewendete Bewäſſerung hat den Zweck, a) die Wieſe anzufeuchten, b) zu düngen, c) Nacht⸗ fröſte zu verhüten und dh ſchädliche Tiere(z. B. Mäuſe) zu ver⸗ treiben. ¹)

Die Düngung der Wieſe durch das Waſſer gründet ſich 1. auf die Abſorption der in ihm gelöſten Pflanzennährſtoffe durch den Boden, ſowie 2. auf Niederſchlagen derſchwebenden Teilchen. Je kleiner ein Bodenteilchen iſt, um ſo größer iſt ſeine Oberfläche im Verhältnis zu ſeinem Gewichte(Bodenkunde§ 30). Die feinen ſchwebenden Teilchen, unter denen ſich auch viele, beſonders leichte Humusſtückchen befinden, können alſo, da ſie dem Stoße des fließenden Waſſers eine große Oberfläche bieten, leicht von demſelben mitgenommen werden.(Staub wird ſogar vom Winde mitgeführt.) Die ſchwebenden Teilchen ſind ſehr wertvoll, weil ſie einerſeits aus guten, durch das Waſſer von den Dungſtätten, aus der Ackerkrume uſw. mitgeſpülten Stückchen, beſonders aus Humusteilchen beſtehen und weil ſie anderer⸗ ſeits lange in allſeitiger Berührung mit dem Waſſer verharren und ſich deſſen gelöſte Pflanzennährſtoffe durch Abſorption aneignen.

2. Bezüglich der Erforderniſſe der Bewäſſerung ſoll a) das Waſſer an gelöſten Nährſtoffen und ſchwebenden Teilchen reich und außerdem warm ſein. Aus Wäldern, aus ſauren Mooren und

¹) In neuerer Zeit hat man durch Bewäſſerung der Weinberge in Frankreich und Ungarn die Reblaus erfolgreich bekämpft.