B. Das Leben der Pflanze. 19
laſſen; denn alsdann zeigt dieſelbe überall an den Berührungsſtellen der Wurzeln deutliche Vertiefungen, die durch die Säure eingeätzt ſind.
In dieſer Weiſe nimmt die Pflanze alle ihr in der Bodenflüſſigkeit gebotenen Stoffe auf(auch ſolche, deren ſie nicht notwendig zu ihrem Aufbau bedarf), aber ſie nimmt von jedem dieſer Stoffe nur ſo viel auf, als ſie wirklich verbrauchen kann. Dieſes Vermögen der Pflanze heißt das quantitative Wahlvermögen.
Wenn eine Pflanze ſich in regelrechter Weiſe entwickeln ſoll, ſo braucht ſie von jedem ihrer Aſchenbeſtandteile eine gewiſſe geringſte Menge (ein Minimum,, die für jede Pflanzenart aber verſchieden iſt. Fehlt ihr von den weſentlichen Nährſtoffen auch nur einer, ſo kann ſie nicht gedeihen. Hat ſie alle Nährſtoffe genügend zur Verfügung, mit Ausnahme eines ein⸗ zigen, ſo wird ſie nur in dem Maße wachſen, als ihr dieſer zugeführt wird.
Das Geſetz des Minimums, welches für die Düngung der Pflanzen von großer Wichtigkeit iſt, lautet demmach: Das Wachstum der Pflanzen richtet ſich nach demjenigen Nährſtoffe, der ihnen im relativen Minimum geboten wird.
§ 7. Die Herſtellung der organiſchen Fubſtanz in der Pflanze(Aſſimilation).
Die Herſtellung der organiſchen Subſtanz in der Pflanze (Aſſimilation) geſchieht in den mit Blattgrünkörperchen verſehenen Zellen der Blätter und des Stengels, indem unter Einfluß von Licht und Wärme aus der Kohlenſäure der Luft und dem Waſſer, das aus den Wurzeln hochſteigt, Stärkemehl gebildetwird. Dabei wird freier Sauerſtoff ausgeſchieden. Ohne das Blattgrün, das ſich nur im Licht bildet, findet keine Aſſimilation ſtatt, ebenſo nicht, wenn die Wärme fehlt, welche die Kraft zu allen Lebensvorgängen zu geben hat.
Kohlenſäure+ Waſſer(† Kraft)= Stärke+ Sauerſtoff 6002 5 20= CelIOO, 602.
Die Kohlenſäure, welche(zu 0,04%) in der atmoſphäriſchen Luft enthalten iſt, gelangt mit dieſer durch die zahlreichen Spaltöffnungen in das Innere des Blattes.(Vgl.§ 4, 2. S. 13: Bau des Blattes, und Fig. 11, S. 9.)
Wie die Wärme, ſo iſt auch das Licht eine Hauptbedingung für die Aſſimilation. Eine Pflanze oder ein Blatt, die ſich im Dunkeln befinden, können nicht aſſimilieren; ein ſtärker belichtetes Blatt wird mehr Stärke bilden, als ein ſchwächer belichtetes. Trübe Jahre erzeugen weniger Stärke als ſonnige, deshalb bleiben in ſolchen z. B. die Kartoffeln auch ſtärkeärmer und die Zuckerrüben zuckerärmer.
Die Stärke iſt alſo der erſte organiſche Körper, den die Pflanze aus den unorganiſchen Stoffen Kohlenſäure und
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