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Der praktische Kleegrasbau : kurz und bündig gefaßte, auf Erfahrung begründete Anleitung zum Kunstfutterbau / von A. Nowacki
Entstehung
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144 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat.

deihen, iſt die Düngung mit Stickſtoff überflüſſig, weil dieſe Pflanzen in der Lage ſind, im Zuſammenleben mit den Wurzelbakterien den freien Stickſtoff ſich anzueignen und zum Aufbau ihrer Wurzeln, Stengel, Blätter, Blüten und Früchte zu verwenden.

Dasſelbe gilt für das Gemenge von Luzerne, Eſpar⸗ ſette und Rotklee, das auf geeignetem Boden nach 3 bis 6 jähriger Nutzung in ſeinen Stoppeln und Wurzeln einen reichen Vorrat an Stickſtoff im Ober⸗ und Untergrunde zurückläßt.

6. Haben wir es dagegen auf Natur⸗ und Kunſtwieſen, wo Gräſer und Kleearten geſellig wachſen, mit einem gewöhn⸗ lichen Sand⸗, Lehm⸗, Ton⸗, Kalk⸗ oder Mergelboden zu tun, dann düngen wir mit Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff.

7. Denn die Theorie iſt nicht ſtichhaltig, daß die ſtickſtoff⸗ ſammelnden Kleepflanzen ſoviel Stickſtoff an die zwiſchen ihnen wachſenden Gräſer abgeben, wie dieſe bedürfen. Der Klee deckt aus dem freien Stickſtoff nur ſeinen eigenen Bedarf und läßt die Gräſer für ſich ſelber ſorgen.

8. Auch die Theorie iſt nicht richtig, daß Stickſtoffdüngung die Wieſenunkräuter hervorruft oder begünſtigt. Bei Düngung mit Phosphorſäure und Kali vermehren ſich gewiſſe Unkräuter ebenſo ſtark oder noch ſtärker, als bei Düngung mit Phosphor⸗ ſäure, Kali und Stickſtoff.

9. Übermäßige Düngung mit Stickſtoff iſt ſchädlich. Die Gräſer und gewiſſe Unkräuter, wie der Löwenzahn, lagern ſich, und unter der dichten Decke verkümmert der lichtbedürftige Klee. Dagegen bringt reichliche Düngung keinen Nach⸗ teil, wenn wir ein angemeſſenes Verhältnis herſtellen zwiſchen Phosphorſäure, Kali und Stickſtoff.

10. Es iſt wirtſchaftlich richtiger und jedenfalls ſicherer, die Wieſen mit Stickſtoff in Form von Gülle, Chileſalpeter oder Ammoniakſalz zu düngen, als die Gräſer, die in der Regel den Hauptbeſtand der Wieſen bilden, an Stickſtoffhunger leiden und ihren Bedarf an Stickſtoff durch die verweſten Leichen der ſtick⸗ ſtoffbindenden Bodenbakterien decken zu laſſen. Die Boden⸗ bakterien wirken erſt auf Umwegen und nach einer Reihe von nutzlos verſchwendeten Verſuchsjahren, Ammoniak⸗ ſalz, Chileſalpeter und Gülle wirken ſofort und direkt, und ſchneller Umſatz des Boden- und Dungkapitals iſt die Loſung der modernen Landwirtſchaft.