C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 143
ſtündigen Spaziergang durch die Wieſen gemacht, und mich ge⸗ freut über die Fülle des Graſes, beſonders in der Nähe der Stadt. Ende Juni 1908 kam ich zur Zeit der Heuernte wieder in die Gegend. Hunderte von fleißigen Menſchen waren bei dem prachtvollen Wetter mit dem Einſammeln des Heus beſchäftigt, und Dutzende von weißleuchtenden Bett⸗ tüchern wurden mit dem duftenden Heu gefüllt und feſt zu⸗ ſammengebunden auf den Wagen geladen, um von dem koſtbaren Futter kein Hälmchen zu verlieren.
3. Anders liegen die Verhältniſſe im Rheintal vom Bodenſee aufwärts bis Sargans. Im Bezirk Werdenberg habe ich das Land genauer unterſucht. Die frühere Verſumpfung iſt beſeitigt durch einen 3 m tiefen und entſprechend breiten Ent⸗ wäſſerungskanal, der das Grundwaſſer aus dem ganzen Reintal abzapft und nach dem Bodenſee ableitet. Der anſtehende Boden iſt ein Geſchenk des Rheins, der bei den wiederholten Über⸗ ſchwemmungen abwechſelnd kalkreiche Sand⸗ und Lettenſchichten abgeſetzt hat.
Der Sand erwies ſich ſehr arm an Nährſtoffen; der Letten etwas beſſer, er enthielt Kali und Phosphorſäure; aber der Stick⸗ ſtoff fehlte ſowohl im Letten wie im Sand, weil kein Humus vorhanden.
Deshalb war das Reſultat der Begutachtung: Düngt mit Kuhgülle. Fehlt ſie, dann düngt mit Kainit und Thomas⸗ ſchlacke und baut Klee⸗ und andere Stickſtoffſammler, die ſchon von ſelbſt wachſen.
Ohne Gülle und Stockmiſt kann man dort hohe Erträge an Getreide⸗ und Wieſengräſern nur erzielen durch Düngung mit Stickſtoff, der mittelſt der Gründüngung dem Boden ein⸗ verleibt oder in Form von Chileſalpeter, ſchwefelſaurem Ammoniak oder einem andern Handelsdünger direkt zugeführt wird.
4. Haben wir es mit einem meliorierten Torf⸗ und Moorboden zu tun, der ſich ſeiner Lage und ſeinem Humus⸗ gehalt nach am beſten zu Dauerwieſen oder zu 4— 6 jährigen Wechſelwieſen eignet, dann düngen wir auch hier mit Thomas⸗ ſchlacke und Kainit, laſſen aber den Stickſtoff beiſeite. Ich habe Tauſende von Talern für den Stickſtoff verſchwendet, ſagt Rimpau, der erfahrene Begründer der Moordammkultur.
5. Auch bei Reinſaat von Luzerne und Eſparſette, die auf einem Boden mit kalkreichem Untergrund vorzüglich ge⸗


