142 Die praktiſche Ausführung und Behandlung der Kleegrasſaat.
die Pflanzennährſtoffe herbeiführt und als feinen Schlick auf die Wieſen abſetzt.
Am wenigſten bedarf es da einer Düngung mit Stickſtoff. Denn der üppige Graswuchs erzeugt reichlich Humus, der ſich dem Schlick beimengt und mit ihm zuſammen einen Moor⸗ boden bildet von unerſchöpflicher Fruchtbarkeit.
Aber auch hier wächſt kein Gras ohne Waſſer. Im Netzebruch lieferten die Wieſen im Anfang des 19. Jahrhunderts die reichſten Erträge an koſtbarem Futter. Im Laufe der Jahre, als eine Schlangenwindung nach der andern durchſtochen und das Flußbett im Intereſſe der Schiffahrt gerade gelegt wurde, da gingen mit dem Aufhören der natürlichen Überflutungen die Erträge mehr und mehr zurück, und an Stelle der ſüßen Wieſen⸗ gräſer traten die wertloſen Unkräuter.
Erſt im Anfang des 20. Jahrhunderts hat eine Genoſſen⸗ ſchaft angefangen, mit Staatsunterſtützung Bewäſſerungskanäle und Stauvorrichtungen zu bauen. Wie ich höre, werden die Wieſen wochenlang unter Waſſer geſetzt. Da iſt zu befürchten, daß der Grund und Boden verſumpft, daß er nicht Süßgräſer, ſondern Sauergräſer erzeugt, die nicht als Futter, ſondern nur als Streu zu nutzen ſind. Soll dem vorgebeugt werden, ſo muß die Zuleitung mit der Verteilung des Waſſers verbunden, und es muß auch für Ableitung des Waſſers geſorgt, es müſſen alſo nicht bloß Bewäſſerungskanäle, ſondern auch Verteilgräben und Entwäſſerungskanäle gebaut werden.
Wie die Bewäſſerung rationell einzurichten und zu hand⸗ haben iſt, das kann man in der Lombardei, im Wallis und im Siegener Lande lernen. Von den Winterwieſen der Lombardei war weiter oben(S. 55) ſchon kurz die Rede. Im Wallis wird die Gletſchermilch an himmelhohen, ſenkrechten Felswänden, in künſtlich angebrachten Leitungen dem Tale zu⸗ geführt und zur Bewäſſerung der Reben und der Futterpflanzen benutzt. Selbſt die Eſparſette, die doch einen trocknen Standort liebt, wird dort mit Vorteil bewäſſert, indem man periodiſche Anfeuchtung des Bodens mit rechtzeitiger Trockenlegung wechſeln läßt.
Auf einer ſehr hohen Stufe ſteht auch die Bewäſſerung im Siegener Lande, wo das ganze Flußtal in Kunſtrücken⸗ bauten umgewandelt worden iſt. Im Jahre 1881 habe ich unter Führung des liebenswürdigen Bürgermeiſters einen mehr⸗
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