C. Die Düngung der Natur⸗ und Kunſtwieſen. 141
1. Am einfachſten iſt es und oft auch am rentabelſten, die Wieſen überhaupt gar nicht zu düngen. Jede Düngung beanſprucht Kapital und Arbeit, und die Arbeit wird immer teurer, das Geld immer knapper. Ungedüngte Wieſen gibt es in der Tat. Auch in der Schweiz, wo doch die Düngung allgemein bekannt und allgemein üblich iſt. Ich meine die ſauren Riedwieſen, die, auf die Gewinnung von Streumaterial genutzt, oft einen höheren Reinertrag abwerfen, als die gedüngten füßen Graswieſen. Im Ried beſchränkt ſich die Arbeit auf das Mähen, Trocknen und Einheimſen der Streu. Im Ried iſt die Düngung nicht bloß überflüſſig, ſondern geradezu ſchädlich. Düngt man eine Riedwieſe mit ſtickſtoffreicher Gülle, ſo ver⸗ ſchwinden die beſſeren Streupflanzen und der Ertrag geht zurück.
Dagegen iſt die Bewäſſerung mit klarem, nicht zu kalk⸗ haltigem Waſſer ſehr wirkſam und lohnend. Bei Wetzikon im Zürcher Oberland liegt das Quellgebiet, aus dem das Dorf ſein Trinkwaſſer bezieht. Wie ich im Jahr 1888 als gerichtlicher Sachverſtändiger in einem Waſſerrechtsprozeß feſtſtellen konnte, ſteigt dort eine Anzahl Quellen, dem Druck vom Berg her folgend, ſenkrecht aus dem Boden auf. Fünf von ihnen ſind in Brunnenſtuben gefaßt. Hob man den Deckel, dann ſah man das klare Waſſer etwa 50 cm hoch ſtehen; durch ein knieförmig gebogenes Rohr lief es ab. Sah man genauer hin, dann ent⸗ deckte man, wie das Waſſer an einer Stelle aus dem Erdboden emporquoll,
Der überfluß der Quellen dient zur Bewäſſerung eines Streurieds, und das Waſſer hat eine ſolche Wirkung, daß die Pflanzen Ende Auguſt über 2 m hoch und ſo dicht ſtehen, daß man kaum hindurchdringen kann.
Hier wird man erinnert an das Wort des Dichters Pindar: AOοατονν εμέν ε⁴σο, das Beſte iſt das Waſſer.
2. In andern Ländern gibt es aber auch große Wieſen⸗ flächen, deren Ertrag zu Futter beſtimmt iſt, und die Jahr für Jahr ihre Ernte geben ohne Düngung. Ich nenne als Beiſpiele die Wieſen in der Weichſelniederung, im Oderbruch, im Warthebruch und im Netzebruch.—
Auch da erſetzt das Waſſer den Dünger. Ich habe dort in meiner Jugend, in den 1850 er Jahren, großartige Überſchwemmungen geſehen. So weit das Auge blickt, nichts als Waſſer. Eine Düngung iſt nicht nötig, weil das Waſſer


