——
208 Abhaltung der äußeren Krankheitsurſachen.
4. Benutzung der Wolltiere.
Eine gute Wolle kann nur von einer geſunden Haut erzeugt werden. Dieſer einfache Satz lehrt uns, daß es bei der Pflege der Wolltiere vor allem darauf ankommt, die Haut geſund zu erhalten. Das wird aber bewirkt durch alles, was den Körper geſund erhält und ſeinen Ernährungs⸗ zuſtand fördert. Alſo durch eine gute und reichliche Ernährung(ſ. Tabelle B im Anhang), beſonders auch in den erſten Monaten nach der Schur. Die nach derſelben unvermeidlichen größeren Wärmeverluſte ſteigern reflektoriſch die Wärmeproduktion(S. 110) und bedingen hierdurch ſtärkeren Stoffzerfall, der durch reichlichere Stoffzufuhr ausgeglichen werden muß; ferner durch viel Bewegung in friſcher reiner Luft, und endlich durch Abhaltung von ſolchen Hautparaſiten, welche eine Erkrankung der Haut bewirken. Zu letzteren iſt vor allem die RKäudemilbe des Schafes(Dermatocoptes ovis)(Fig. 54) zu rechnen, deren Einſchleppung in die Herde man dadurch verhütet, daß man jede Berührung derſelben mit räudekranken Schafen vermeidet. Man wird alſo vor allem alle neu angekauften Schafe 4 bis 6 Wochen in einem beſonderen, abgelegenen Stalle unterbringen und ſorgfältig auf Scheuern, Reiben, Knabbern ꝛc. beobachten.— Ein anderer die Wolle verderbender Hautparaſit iſt die Schaflausfliege(Melophagus ovinus), auf die ſchon S. 166 hingewieſen wurde; dieſelbe dringt durch das Wollvließ bis auf die Haut vor, ſaugt aus derſelben Blut und veranlaßt das Schaf zum Reiben und Scheuern an der betreffenden Stelle, wodurch das Wollvließ verdirbt.
In einzelnen Fällen leidet die Wolle auch durch das ſogenannte Wolle⸗ freſſen, was ſeitens der Schafe gegenſeitig erfolgt. Zu der Schädigung des Wollvließes kommt noch der bedenkliche Umſtand, daß die abgenagte Wolle ſich im Magen(Panſen) zu ſogenannten Wollballen verfilzt, welche in den Darm übertreten und zu tödlichen Verſtopfungen desſelben führen können. Die Urſache dieſer Untugend kennt man nicht, Nachahmung ſpielt jeden— falls eine gewiſſe Rolle hierbei. Erfahrungsgemäß verliert ſich dieſelbe beim Weidegang, an deſſen Stelle im Winter ein Beweiden der Saaten treten kann; ebenſo empfiehlt es ſich, die Wollefreſſer abzuſondern.
Gewiſſe geſundheitliche Gefahren ſind für die Schafe noch durch die jährlich ſtattfindende Schafwäſche und Schur gegeben. Jedenfalls ſoll zur Vermeidung von Erkältungen die Temperatur des Badewaſſers nicht unter 15°0 R, beſſer etwas mehr, betragen und die Witterung zur Badezeit trocken und warm ſein, damit Erkältungen— Katarrhe der Luftwege, Muskelrheumatismus ꝛc.— vermieden werden. Muß trotz kalter Witterung das Baden erfolgen, ſo ſollte es in Bottichen mit warmem Waſſer ge— ſchehen. Nach dem Bade ſind die Schafe bei warmem, ſonnigen Wetter tags⸗ über im Freien zu laſſen. Müſſen ſie wegen kalten, regneriſchen Wetters oder nachts in den Stall gebracht werden, ſo iſt derſelbe mit reichlicher, reiner Streu zu verſehen, den Schafen aber reichlich proteinreiches Futter vor⸗ zulegen, um die durch das Bad und die nachfolgende Waſſerverdunſtung ent⸗ ſtehenden Wärmeverluſte(S. 56 u. 109) auszugleichen. Der Stall iſt hierbei
gef forn


