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6 Krankheit.
folgen raſcher aufeinander; infolgedeſſen wird der dünnflüſſigere Darm⸗ inhalt in kürzeren Zwiſchenräumen entleert: das Tier iſt nicht mehr geſund, es iſt krank, es hat Durchfall, Darmkatarrh. Die Lebensvorgänge, welche wir als Darmbewegung und Darmſekretion bezeichnen, laufen bei dieſer Krankheit zwar nach denſelben Geſetzen, aber infolge einer abgeänderten
Lebensbedingung(reizender Nahrung) in abgeänderter Weiſe(ſchneller bezw.
reichlicher) ab. Dieſes Beiſpiel, welches ſich leicht durch viele andere ver⸗ mehren ließe, möge genügen, zu beweiſen, daß die Krankheitsvorgänge nichts dem Körper Fremdes, ſondern nur Lebensvorgänge ſind, welche unter ab⸗ geänderten Lebensbedingungen in abgeänderter Weiſe, aber nach gleichen Geſetzen, wie die normalen, ablaufen.
Da der Organismus vermöge der erwähnten(S. 4) Schutz⸗ vorrichtungen imſtande iſt, die auf ihn einwirkenden Schädlichkeiten in mehr oder weniger vollkommener Weiſe von ſich abzuwehren oder unſchädlich zu machen, ſo geht daraus hervor, daß nicht jede auf das Individuum einwirkende Geſundheitsſchädlichkeit(ſ. S. 4) notwendig eine Erkrankung desſelben zur Folge haben muß. Es wird dies viel⸗ mehr von der Leiſtungsfähigkeit ſeiner natürlichen Abwehr⸗ oder Schutz⸗ einrichtungen abhängen, welche das eine Tier befähigen, trotz äußerer abgeänderter Lebensbedingungen, trotz mannigfacher auf dasſelbe ein⸗ wirkender Schädlichkeiten, geſund zu bleiben, während ein anderes in⸗ folge derſelben erkrankt oder ſtirbt. Von der Entwicklung und Leiſtungsfähigkeit der natürlichen Abwehr⸗ oder Schutz⸗ einrichtungen des Organismus wird alſo einerſeits die
„Widerſtandsfähigkeit desſelben gegen äußere Schädlichkeiten,
andererſeits die Schwere der Erkrankung abhängen.
Die Erhaltung und Kräftigung dieſer natürlichen Schutzvor⸗ richtungen des Organismus ſpielt daher bei der Verhütung von Krank⸗ heiten eine außerordentlich wichtige Rolle, ganz beſonders bei Tieren, welche wir aus einer Gegend in eine andere verſetzen, in eine andere importieren, und hierbei vielfach unter mehr oder weniger von den bisherigen abweichende äußere Lebensbedingungen bringen. Denn alles, was wir als Anpaſſung, Gewöhnung(Acclimatiſation, Accomodation), Abſtumpfung oder Abhärtung bezeichnen, iſt in der Hauptſache nichts Anderes, als die Erlangung einer größeren Widerſtandsfähigkeit gegen äußere Schädlichkeiten, welche der Organismus durch eine dem Zwecke entſprechende größere Uebung und hierdurch bedingte geſteigerte Leiſtungsfähigkeit ſeiner natürlichen Schutz⸗ und Abwehrvorrichtung bei längerer bezw. wiederholter Einwirkung derſelben erlangt hat.
Mit dieſer Anpaſſung oder Acclimatiſation ſind meiſt gewiſſe Ab⸗ änderungen im Baue und der feineren Struktur der bei der Abwehr der Krankheitsurſachen in Frage kommenden Organe verbunden, welche durch deren geſteigerte Thätigkeit bedingt ſind. Nicht ſelten vollziehen ſich derartige, den veränderten Lebensverhältniſſen angepaßte Ab⸗ änderungen erſt in der nächſten Generation. Gehen durch dieſelben wertvolle Eigentümlichkeiten der betr. Tierraſſe verloren(z. B. die feine Kräuſelung des Wollhaares bei Schafen ꝛc.), ſo ſpricht man von Aus⸗
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