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Leitfaden der landwirtschaftlichen Betriebslehre / von Theodor Freiherr von der Goltz
Entstehung
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10 I. Die landwirtſchaftlichen Betriebsmittel.

Die natürliche Lage und Beſchaffenheit der Grundſtücke bleibt immer dieſelbe oder kann doch, abgeſehen von koſtſpieligen Meliorations⸗ anlagen, nur in langen Zeiträumen erhebliche Veränderungen erfahren. Dagegen unterliegen die wirtſchaftlichen, auf die Bodennutzung ein⸗ flußreichen Verhältniſſe großen Umgeſtaltungen. Eine Vermehrung der Bevölkerung, eine Verbeſſerung der Verkehrsmittel ſteigert die Nachfrage und erleichtert den Abſatz an Bodenprodukten; eine Erhöhung der Arbeitslöhne und eine Verminderung der ländlichen Arbeiter⸗ bevölkerung verteuert und erſchwert die in dem landwirtſchaftlichen Betrieb zu verwendende menſchliche Arbeit. In Folge ſolcher wirt⸗ ſchaftlichen Veränderungen kann es oft zweckmäßig ſein, ein bisher als Wald oder Weide benutztes Grundſtück in Ackerland zu ver⸗ wandeln oder umgekehrt ein Ackergrundſtück aufzuforſten oder als Dauerweide liegen zu laſſen.

b) Das Ackerland.

Das Ackerland iſt unter allen Kulturarten die bei weitem wichtigſte. Dem giebt auch der Sprachgebrauch faſt aller Völker Ausdruck. In den meiſten Sprachen dient das eigentlich nur den Ackerbau bedeutende Wort gleichzeitig dazu, die Landwirtſchaft im Ganzen zu bezeichnen. So werden auch im Deutſchen die Aus⸗ drückeAckerbau,Ackerbau treibende Bevölkerung, oder ſchlechthinBauer in dem weiteren Sinne vonLandwirtſchaft oderLandwirtſchaft treibende Bevölkerung verwendet.

Die vorwiegende Bedeutung des Ackerlandes iſt in folgenden Thatſachen begründet: 1. Das Ackerland produziert die wichtigſten Nahrungsmittel für den Menſchen, beſonders das Getreide. 2. Ver⸗ möge ſeiner Erzeugniſſe an Stroh und Futtermitteln bildet das Ackerland eine ſehr wichtige und faſt unentbehrliche Grundlage für die Viehhaltung. 3. Das Ackerland liefert von der gleichen Fläche höhere Roherträge wie jede andere Kulturart, ebenſo übertrifft es in Bezug auf Reinerträge jede andere Kulturart, ausgenommen die Wieſen, mit denen es hierin ziemlich auf gleicher Stufe ſich befindet. Das Gartenland liefert allerdings höhere Roh⸗ und Reinerträge als der Acker; aber, wie ſpäter zu zeigen ſein wird, ſo läßt ſich eine

feſte Grenze zwiſchen Acker⸗ und Gartenland gar nicht ziehen. 4. Das Ackerland nimmt, auch abgeſehen von ſeiner großen Flächen⸗ ausdehnung, am meiſten Arbeit und Kapital in Anſpruch. 5. In einigermaßen dicht bevölkerten Ländern pflegt die dem Ackerbau ge⸗ widmete Fläche den bei weitem größeren Teil des geſamten land⸗

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