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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
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188 Die Bodenarten.

Die Fruchtbarkeit des Waldhumus zeigt ſich bei der Um⸗ wandlung des Waldlandes in Ackerland ſehr deutlich, aber ebenſo zeigt ſich ihre Vergänglichkeit, denn ſchon nach wenigen Jahren nimmt die Ergiebigkeit der Ernten ab, und dann heißt es hier wie ander⸗ wärts: Düngen und wieder Düngen. Dieſe Erfahrung macht man bei uns wie in den Urwäldern Nordamerikas. Die Naturgeſetze ſind auf derß ganzen Welt dieſelben.

4.5 Klaſſe: Riedhumus.

Der Riedhumus und der Grashumus wird von den Geologen unter der Bezeichnung Wieſenmoor, Grünlandsmoor oder Raſenmoor zuſammengefaßt. Wir müſſen dieſe beiden Humusarten, obwohl ſie ineinander übergehen, aus den S. 186 angegebenen Gründen von einander trennen, und wir müſſen auch, um Ver⸗ wechſlungen vorzubeugen, die Ausdrücke Torf, Bruch, Moor, Moos uſw. in der Bodenklaſſifikation vermeiden. Die Benennung Riedhumus iſt in zweifacher Beziehung zutreffend, denn die Pflanzen, denen dieſe Humusart das Daſein verdankt und denen ſie andererſeits das Daſein verleiht, ſind vorzugsweiſe die Riedgräſer. Überdies hat ſich das Wort Ried in der Volksſprache eingebürgert, und in der Tat beſtehen viele, aber doch nicht alle ſog. Riede aus Riedhumus.

Der Riedhumus bildet ſich in ſtehendem oder ſtockendem Waſſer, in mulden⸗ over keſſelförmigen Vertiefungen, in zuwachſenden Seen und Teichen, oder an Bächen und Flüſſen, die wegen ihres

trägen Laufes das angrenzende flachliegende Gelände fortwährend naß erhalten und oft überſchwemmen. Unter dieſen Verhältniſſen

entwickelt ſich eine üppige Vegetation von Sumpfgewächſen, deren abgeſtorbene Teile unter Waſſer bei behindertem Luft⸗

zutritt in eigentümlicher Weiſe vermodern oder vertorfen. Das

Produkt iſt ein ſaurer Humus. Das Waſſer, in dem der Riedhumus entſteht, iſt gewöhnlich hart, d. h. kalkhaltig. Oft finden wir daher unter dem Riedtorf

einen Niederſchlag vonSeekreide oderWieſenkalk.

Die Pflanzen, die auf dieſer Humusart freiwillig wachſen,

liefern abgemäht und getrocknet eine Art Heu, das von den Haus⸗ tieren in der Not zwar gefreſſen, aber in Gegenden, wo man aus⸗ reichend beſſeres Futter hat, wie in der Schweiz, nur als Streu⸗

material verwendet wird.