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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
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186 Die Bodenarten.

dings nicht die feine und würzige Beſchaffenheit, wie das Heu unſerer Bergwieſen. Es fehlen ihm die aromatiſchen Kräuter und gewöhnlich auch die Kleearten, während die Süßgräſer, ſtellenweiſe gemengt mit Sauergräſern, den Hauptbeſtand ausmachen. Trotzdem wird es im grünen wie im getrockneten Zuſtande, namentlich von Pferden und Rindvieh, gern gefreſſen. Das daran gewöhnte Niederungsvieh findet es lecker und ſchmackhaft. Unſere verwöhnten Bergraſſen dürften es anfänglich vielleicht für Riedſtreu halten und verſchmähen, bis die nähere Bekanntſchaft ſie belehren würde, daß dies grobe Futter doch erheblich beſſer iſt, als es auf den erſten Anblick erſcheint.

Ein Hauptgras, das an feuchten und fetten Stellen oft den alleinigen Beſtand bildet und, mit fingerbreiten Blättern beſetzt, nicht ſelten mannshoch aufſchießt, iſt auf jenen guten Niederungswieſen das Rohrglanzgras, Phalaris arundinacea. Dasſelbe gilt von

dem anſehnlichen Süßgras, Glyceria spectabilis. An anderen Stellen findet ſich, ebenfalls oft in geſelligen Beſtänden, der Wieſen⸗ fuchsſchwanz, Alopecurus pratensis. Daneben die Riſpengräſer, Poa pratensis und Poa trivialis der Wieſenſchwingel, Festuca pratensis das Honiggras, Holcus lanatus der gekniete Fuchsſchwanz, Alopecurus geniculatus u. a.

Den Anſchauungen der Landwirte entſprechend rechnen wir den Grashumus ebenfalls zu den milden Humusarten, obwohl er nicht immer frei von Säure iſt. Das Entſcheidende für unſere Ein⸗ teilung iſt in dieſem wie in anderen Fällen das Verhalten des Bodens gegen die Pflanzen. Herrſchen in dem Pflanzenbeſtande die Süßgräſer vor, ſo werden wir die Bodenart als(milden) Grass⸗ humus, herrſchen dagegen die Sauer⸗ oder Riedgräſer vor, ſo werden wir die Bodenart als(ſauren) Riedhumus anſprechen. Dieſe Einteilung iſt auch inſofern berechtigt, als der Riedhumus (bei der Prüfung mit Lackmuspapier) viel ſtärker ſauer reagiert alz der Grashumus, der namentlich in der oberen Schicht nur wenig, oft gar keine freie Humusſäure enthält.

Den Grashumus ſeiner natürlichen Beſtimmung zu entfremden und dem Ackerbau zu überweiſen, wird bei der gegenwärtigen Nach⸗ frage nach Vieh und Viehzuchtprodukten nur ſelten rentabel ſein, obwohl er, gegen Überſchwemmung geſichert und ſonſt angemeſſen behandelt, reiche Ernten, insbeſondere an Hafer, Raps, Lein, Kohl, Kohlrüben und Kartoffeln einzubringen vermag.