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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
Entstehung
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30 Die Entſtehung des Grund und Bodens.

Über der etwa 3 m mächtigen Nagelfluh folgt eine gegen 2 m mächtige Sandſteinſchicht, die ebenfalls verwittert Bauſand liefert. Zu oberſt eine ſchwache, kaum 30 cm hohe Schicht von Gletſcher⸗ lehm, in dem trotz ſeiner geringen Mächtigkeit wahre Rieſenbäume von Weißtannen, Eichen, Buchen, Eſchen und Ahorn gedeihen. Daß wir es mit Gletſcher⸗ oder Glaziallehm zu tun haben, beweiſt ein in der Nähe liegender, gewaltiger Sernifitblock, auf den eine kundige Hand mit Olfarbe geſchrieben hat: Zeuge der Eiszeit.

Abgeſehen von ſolchen Findlingen oder erratiſchen Blöcken, die durch die Tätigkeit der Gletſcher von weit her in die Gegend von Zürich gelangten, findet man hier anſtehend keine andere Gebirgs⸗ bildung als Molaſſe mit den erwähnten Schichten: Nagelfluh, Sandſtein, Mergel. Wollte ich die Verwitterung auch bei anderen Gebirgsarten ſtudieren, ſo mußte ich die Zeit der Ferien zu weiteren Ausflügen benutzen. Es geſchah das Ende der 1870 er und anfangs der 1880 er Jahre.

Der erſte Ausflug ging teils per Bahn, teils zu Fuß nach Stein am Rhein. Dort erwartete mich ein landeskundiger Führer, der auf der in Ausſicht genommenen Tour ſchon den Geologen Eſcher von der Linth begleitet hatte. Nach einer herrlichen Kahnfahrt

den Rhein hinab bis Schaffhauſen, führte uns die Bahn an dem

Hohentwiel vorbei nach dem Hohenkrähen, den wir links liegen ließen, um den geologiſch intereſſanteren Hohenhöwen zu beſteigen.

Den ganzen Tag wurde eifrig unterſucht und geſammelt, ſo eifrig, daß uns der Abend überraſchte. Es war ſchon dunkle Nacht, als wir nach dem Abſtieg das Quartier erreichten.

Nahe unter dem Gipfel des 846 m hohen Bafaltkegels ſammelten wir je eine Probe von dem urſprünglichen, bläulich⸗ſchwarz ſchimmern⸗ den Baſalt, von dem matten Tuff und von dem blaſigen Traß. Außerdem fanden wir alle möglichen Verwitterungsſtufen. Unter ihnen ſammelten wir als jüngſte oder letzte eine Probe von humus⸗ reichem Tonboden, in dem neben Gräſern und Kräutern auch niedrige Sträucher wurzelten.

An der entgegengeſetzten Seite des Bergkegels fanden wir auf einer faſt wagerecht gelegenen Terraſſe einen friſchgepflügten Acker, beſtehend aus ſchwarzem Baſalttonboden, deſſen dunkle Farbe nicht von der Humusbeimengung, ſondern von dem Bitumen des Muttergeſteins herrührte.