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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
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Die Entſtehung des Grund und Bodens. 25

und eine neue Heimat zu gründen, oder Landesprodukte von dort für die alte Heimat zu holen.

Nichtsdeſtoweniger ſind Meer und Fels und Fels und Meer für die Entſtehung des Bodens von fundamen⸗ taler Bedeutung. Wäre die Erde glatt wie eine Billardkugel, dann wäre ſie ringsum vom Meere bedeckt. Die Erde hat aber eher die Geſtalt eines geſchrumpften Apfels, und nur durch den Gegenſatz von Hoch und Tief ermöglicht ſie mit der Entſtehung des Bodens das Daſein des ackerbautreibenden Menſchen.

Dabei müſſen wir uns erinnern, daß die Gewäſſer ¼ der Erd⸗ oberfläche überfluten, während die Runzeln der Erdkruſte, die wir Gebirge nennen, ſelten um mehr als 4000 m über den Meeres⸗ ſpiegel hinaufragen. Der Montblanc, der König der europäiſchen Berge, erreicht eine Höhe von 4810 m, eine im Vergleich zum Erddurchmeſſer verſchwindende Größe.

Tagtäglich führen die Flüſſe aller Erdteile gewaltige Waſſer⸗ maſſen in das Meer. Es läuft trotzdem nicht über, hält ſich viel⸗ mehr bei Ebbe und Flut in ſeinen Grenzen, weil durch die Ver⸗ dunſtung in die atmoſphäriſche Luft ſoviel Waſſer aus dem Meere aufſteigt, wie durch die Flüſſe hineinkommt. Zum Himmel ſteigt es, zur Erde fällt es, ewig wechſelnd, und ſpeiſt die Quellen der Hoch⸗ gebirge, die den Fels durchſickern, zerſetzen und ausnagen und mit ſeinen Beſtandteilen beladen zum Meere zurückkehren.

Der Boden entſteht zwar unmittelbar aus und auf ſeinem Muttergeſtein, aber nicht aller Boden befindet ſich in dieſer ur⸗ ſprünglichen Lage. Bäche, Flüſſe und Ströme befördern das einmal von ſeinem feſten Felsgrunde losgeriſſene Material immer tiefer und tiefer abwärts, bis in das Meer hinab, und erſt auf dem Meeres⸗ grunde kommt es zur Ruhe. Auf dem Wege aber zu dieſem Ziele bildet das wandernde Geſteinsprodukt und Geſteinsmaterial das, was wir Boden nennen.(Girard.)

Hiernach gibt es 1. angeſtammte und 2. angeſchwemmte Böden. Zwiſchen beiden finden wir allerlei Übergänge. Der Überſichtlichkeit wegen betrachten wir beide Gruppen getrennt von⸗ einander.

1. Die angeſtammten Böden. Die angeſtammten Böden entſtehen durch Verwitterung unmittelbar aus und auf ihrem Muttergeſtein. Man nennt ſie deshalb auch Verwitterungsböden.