24 Die Entſtehung des Grund und Bodens.
noch in derſelben Geſtalt wie vor 100 000 Jahren aus der Mutter⸗ lauge entſteht, ſo entſtand der Boden in der Vorzeit nach denſelben Geſetzen wie in der Gegenwart.
Nach Girard“) iſt der Boden zerſtörtes, altes Geſtein auf dem Wege zur Bildung neuer Geſteine. Ich hoffe dieſe Worte richtig zu verſtehen, wenn ich ſie dahin deute: Der Fels wird zu Boden, der Boden zu Fels in immerwährendem Kreislauf.
Der Gedanke iſt originell, und er bezeugt den tiefen Blick meines hochverehrten Lehrers. Er darf aber nicht ſo gedeutet werden, als ob der Boden den Zweck hätte, zu Fels zu werden, von dem er genommen iſt, ſonſt wäre es einfacher, der Fels bliebe Fels in alle Ewigkeit.
Um dieſer Auffaſſung vorzubeugen, ſchickt Girard die Be⸗ ſchreibung und das Vorkommen der Mineralien und Geſteine und ihre mechaniſche und chemiſche Zerſtörung voraus, und auf dieſen Grundlagen baut er die Entſtehung des Bodens auf. Er ſagt:„Die dargelegten Vorgänge haben eine ſolche äußere und innere Umänderung der Geſteine bewirkt, daß aus ihnen eine ganz neue Bildung hervor⸗ gegangen iſt, die als eigentliches Oberflächen⸗Produkt der geologiſchen Tätigkeit des Erdkörpers eine eigentümliche Stellung einnimmt. Dieſe Oberflächen⸗Bildung aus dem Material der Geſteine hat, zuſammen mit der Gegenwart der Atmoſphärilien, die Möglichkeit für die Entwicklung eines ganz andern Gebietes der Natur gegeben, des Gebietes der organiſchen Welt.“
Ganz richtig. Doch möchte ich ergänzend hinzufügen: Über der feurig⸗flüſſigen Magmaſchicht bildet der Fels das ſtützende und ſchützende Kugelgewölbe, auf dem ſich Meer und Land ausbreiten, um zur Wohnſtätte und zur Nah⸗ rungsquelle für die Lebeweſen zu werden. Der Menſch beherrſcht beides, Meer und Land, er ſchickt ſich ſogar an, das Reich der Lüfte zu beherrſchen, aber ſeine eigentliche Heimat iſt doch das Land, und die Schiffahrt dient weniger dazu, Fiſche, Auſtern, Perlen und Korallen aus dem Meere zu gewinnen, als vielmehr dazu, von einem Land in ein anderes zu gelangen, um ſich dort anzuſiedeln
*) H. Girard, Grundlagen der Bodenkunde. Halle 1868.


