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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
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Die Entſtehung des Grund und Bodens. 23

artig erſtarrte. Indem die Kruſte ſich zuſammenzog, bekam ſie Riſſe, durch die die glühende Lava hervorquoll, und die Hitze trieb die leichteren Gaſe in die Atmoſphäre zurück, während die ſchwereren Stoffe: Platin, Gold, Blei, Eiſen ſich zum Erdkern verdichteten. Dieſe Vorgänge wiederholten ſich ſolange, bis ſich der Dampf von der Luft ſcheiden und als flüſſiges Waſſer in den Vertiefungen ſammeln konnte. Damit erreichte die geologiſche Entwicklung einen wichtigen Wendepunkt, denn jetzt kamen neben den plutoniſchen vor⸗ zugsweiſe die neptuniſchen und meteoriſchen Einflüſſe zur Geltung.

Von großer Bedeutung iſt die von Heinrich Wehner erkannte und begründete Theorie, daß der Erdkern und die Erdrinde erſtarrt ſind, während die dazwiſchen liegende Magmaſchicht ſich im zäh⸗ flüſſigen Zuſtande befindet. Sie kann nicht feſt werden, weil Kern und Rinde ſich verſchieben. Die Verſchiebung kommt dadurch zu⸗ ſtande, daß der Kern in der täglichen Rotation um ein ſehr kleines Maß hinter der Rinde zurückbleibt. In dem Zeitraum von 952 Jahren ergibt ſich eine volle Mehrrotation der Rinde. Hiernach erſcheint das Innere unſerer Erde wie eine Mühle, die fortwährend mahlt, und die zähflüſſige Zwiſchenſchicht zwiſchen Kern und Rinde bildet, ſozuſagen, das Mahlprodukt und zugleich das Schmiermaterial zur Verminderung der Reibung in der rieſigen Kugelmühle.

Nun iſt die Kernoberfläche ebenſo mit Erhebungen und Ein⸗ buchtungen beſetzt, wie ſie die Erdrinde in ihren Meeren und Ge⸗ birgen außen aufweiſt und wie ſie Geſtaltungen ähnlicher Art auch innen tragen muß. Wandern bei der Verſchiebung des Kerns und der Rinde die Unebenheiten aneinander vorüber, dann wird allemal dort, wo eine Kernrunzel ſich einer beſonders brüchigen, innen ver⸗ worfenen oder gefalteten Rindenſtelle nähert, der Magmendruck der flüſſigen Zwiſchenſchicht ſich ſteigern und je nach den Umſtänden die Rinde irritieren: ſie biegend ſpannen, zum Berſten bringen, Ver⸗ werfungen verurſachen, bei Waſſerſturz in große Tiefen vulkaniſche Ausbrüche zeitigen, uſw.

Damit ſind die geologiſchen Verhältniſſe auf eine neue Grund⸗ lage geſtellt, und es ergibt ſich die praktiſch wichtige Erkenntnis, daß die gefährdeten Gegenden in gewiſſen Perioden immer wieder von Erdbeben und Eruptionen betroffen werden.

Inzwiſchen ſetzte auch die Bodenbildung ein, wie wir ſie aus der Erfahrung kennen. Denn ähnlich wie der Kriſtall heute