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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
Entstehung
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18 Begriff und Weſen des Grund und Bodens.

Wollte man gegen dieſe Darſtellung einwenden, daß man nur das zu den Beſtandteilen des Bodens rechnen dürfe, was bleibend und beſtändig in ihm iſt, ſo läßt ſich erwidern, daß der Boden dann überhaupt keine Beſtandteile hat. Denn ſelbſt die Mineral⸗ ſubſtanz des Bodens iſt durchaus nicht bleibend und beſtändig. Nicht allein die Humusſubſtanz, ſondern auch die Mineralſubſtanz des Bodens zerſetzt ſich fortwährend, zum Teil ohne, zum Teil mit Beihülfe gewiſſer Lebeweſen. Das Waſſer führt jahraus jahrein, auch in der Ebene, teils oberirdiſch, teils unterirdiſch die Mineral⸗ beſtandteile fort. Der Wind entführt feine Sand⸗, Ton⸗ und Kalk⸗ teilchen in Form von Staub von unſeren Feldern. Mit den ge⸗ ernteten Pflanzen führen wir alljährlich eine gewiſſe Menge Mineral⸗ ſubſtanz vom Felde fort. Allerdings führen wir, wenn wir ordent⸗ lich wirtſchaften, auch wieder Mineralſtoffe zu, aber dieſer Umſtand dient nur zur Beſtätigung unſerer Auffaſſung, daß der Boden auch in ſeinem Mineralbeſtande nicht etwas Bleibendes iſt, ſondern im Gegenteil etwas Veränderliches und Vergängliches. Aus dem Be⸗ reich der Natur kann freilich kein Stoffatom verſchwinden, wohl aber aus dem Bereich eines Gutes oder eines Landes. Die Mineralſtoffe, die der Rhein im gelöſten oder ſchwebenden Zuſtand bei Baſel abwärts führt, ſind für die Schweiz unwiederbringlich verloren und verſchwunden.

Betrachten wir den Boden vom Standpunkt des Geologen und Mineralogen, ſo werden wir ſagen: Der Boden beſteht aus Mineraltrümmern, er iſt im weſentlichen nichts anderes als eine Anhäufung von loſem Geſtein. Betrachten wir den Boden vom Standpunkt des Phyſiologen und Landwirts, ſo werden wir finden: Der Boden ſtellt, im Gegenſatz zum Fels, eine loſe gefügte Maſſe dar, in der größere und kleinere bis verſchwindend kleine Geſteinstrümmer mit Mineralſalzen, Humusſubſtanzen, Waſſer, Luft, pflanzlichen und tieriſchen Lebeweſen zu einem in ſich beweglichen und veränderlichen Ganzen vereinigt ſind. Je weiter nach oben, deſto mehr wird die Maſſe lebendig, bis die Keime, die in ihr liegen, die Köpfchen und Armchen hervorſtrecken und unter den Strahlen der Sonne größer und größer werdend uns Blumen bringen und Früchte.

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