3. Woraus beſteht der Boden? 17
Entwicklung gelangen und die Bindung und Nutzbarmachung des freien Stickſtoffs beſorgen oder vermitteln. Nach ihrem Entdecker Beyerinck nennt man dieſe Lebeweſen Wurzelbakterien, und es iſt wahrſcheinlich, daß jede der ſtickſtoffſammelnden Pflanzen⸗ arten: Bohnen, Erbſen, Wicken, Lupinen, Serradella, Klee, Luzerne, Eſparſette uſw. ihre eigene Art oder Varietät von Wurzelbakterien beſitzt und verlangt.
Dieſe Wurzelbakterien gehören, ſofern und ſoweit ſie im Boden liegen, ebenſo zu den Beſtandteilen des Bodens, wie die frei in der Muttererde lebenden Bodenbakterien, von denen gewiſſe Arten bei Luftzutritt, andere bei Luftabſchluß ihre ſtickſtoffbindende Tätigkeit entfalten, um die Gräſer und andere Stickſtofffreſſer mit Stickſtoff⸗ nahrung zu verſorgen.
Dasſelbe gilt von den wiederum anders und unter ſich ver⸗ ſchieden gearteten kleinen Lebeweſen, die an der Zerſetzung der pflanzlichen und tieriſchen Subſtanz des Bodens beteiligt, ziemlich unbeſtimmt und ſummariſch als Fäulnis- und Verweſungs— erreger bezeichnet werden. Nur der Spezialforſcher vermag dieſe kleinen Organismen zu unterſcheiden und auseinanderzuhalten; der Laie kann ſich einen Begriff von ihrer Menge machen, wenn er erfährt, daß Burri in je 1 g friſcher, feuchter Erde von Acker⸗, Garten⸗ und Wieſenland 3 800 000 bis 16 000 000 Mikroorganismen gefunden hat.
Die vorſtehend genannten kleinen Lebeweſen ſind nützliche; es gibt aber auch ſchädliche. Von dieſen erinnern wir an die Sporen der gefährlichen Brandpilze, die, wie Brefeld zuerſt nachgewieſen, längere Zeit lebensfähig im Boden verweilen.
Es ſchließen ſich unmittelbar an: die kleinen tieriſchen Feinde unſerer Kulturpflanzen, z. B. die von Julius Kühn näher er⸗ forſchten RKübennematoden, Weizenälchen, Roggenälchenuſw., die ſo ſehr Beſtandteile des Bodens werden können, daß ſie den Boden förmlich verſeuchen.
Es ſchließen ſich weiter an: die ſchädlichen Engerlinge, die ſich während ihres einige Jahre dauernden Larvenzuſtandes im Boden aufhalten, und die nützlichen Regenwürmer, die ihr ganzes Leben im Erdboden zubringen und ſo ſehr mit ihm eins ſind, daß man ſie nicht bloß im Boden, ſondern auch den Boden in ihnen findet, uſw. ☛ Nowacki, Bodenkunde. 6. Auflage. 2.


