16 Begriff und Weſen des Grund und Bodens. die äußere Luft auf dem Fuße nach. Der Boden bekommt ſo ab⸗ wechſelnd Luftbäder und Waſſerbäder; nur dem verſumpften Boden wird dieſe Wohltat nicht zuteil, weil in ihm alle Hohlräume, kleine und große, fortwährend mit Waſſer gefüllt ſind.
In ihrer Zuſammenſetzung ähnelt die Bodenluft der freien atmoſphäriſchen Luft. Dieſe iſt in der Hauptſache ein Gasgemenge von Stickſtoff, Sauerſtoff, Kohlenſäure und Waſſergas Dieſelben Gaſe haben wir auch in der Bodenluft zu erwarten, jedoch iſt dieſe, namentlich in dem humushaltigen und gedüngten Kultur⸗ boden, ärmer an Sauerſtoff, dafür reicher an Kohlenſäure, weil bei den im Boden vor ſich gehenden Zerſetzungsprozeſſen Sauerſtoff ver⸗ braucht, Kohlenſäure erzeugt wird. Die Ammoniakſalze(kohlenſaures, ſalpetrigſaures und ſalpeterſaures Ammoniak), die in geringer Menge in der atmoſphäriſchen Luft vorkommen, werden mit dem Regen uſw. niedergeſchlagen und im Boden in ſalpetrigſauren und ſalpeterſauren Kalk und in kohlenſaures Ammoniak umgeſetzt.
Sowohl dieſes als auch jenes kohlenſaure Ammoniak, das bei der Verweſung der pflanzlichen und tieriſchen Subſtanz des Bodens entſteht, wird von der tonigen Feinerde begierig abſorbiert und feſtgehalten, um jedoch bald eine eigentümliche Zerſetzung und Umwandlung zu erfahren. Die Ammoniakſalze werden nämlich durch äußerſt kleine, im Boden befindliche Lebeweſen beſtimmter Art in ſalpetrigſaure Salze(Nitrite) übergeführt, die ihrerſeits durch Vermittlung kleiner Lebeweſen anderer Art ziemlich raſch in ſalpeterſaure Salze(Nitrate) übergehen.
Die Klarlegung dieſes intereſſanten und wichtigen Zuſammen⸗ hangs von Tatſachen haben wir Winogradsky zu verdanken.*)
Ich frage nun jetzt, um immer ſtreng bei der Sache zu bleiben: Gehören die betreffenden kleinen Lebeweſen, die ſog. Salpeter⸗ fermente, zu den Beſtandteilen des Bodens oder nicht? Der Geolog und Mineralog wird dieſe Frage wahrſcheinlich verneinen der Chemiker, Phyſiolog und Landwirt wird ſie wahrſcheinlich bejahen.
Schon länger wiſſen wir, daß außer den eben berührten auch noch ganz anders geartete kleine Lebeweſen im Boden vorkommen, die in den Wurzelknöllchen der ſtickſtoffſammelnden Pflanzen zur
*) E. Schulze hat im„Landw. Jahrbuch der Schweiz“, 1891, S. 82- 85, über die Arbeiten Winogradskys kurz referiert.


