10 Begriff und Weſen des Grund und Bodens.
Was wir Boden oder Erde nennen, iſt demnach, im Gegenſatz zum Fels, eine Anhäufung von unzähligen kleinen Körnern oder Einzelkörpern, die ſo loſe aneinander gelagert ſind, daß ſie ſich im feuchten, oft auch ſchon im trocknen Zuſtande leicht voneinander trennen, aneinander verſchieben und in eine neue Lagerung, Anordnung oder Gruppierung bringen laſſen. Auf dieſen Eigenſchaften des Bodens beruht die Möglichkeit ſeiner Bearbeitung mit Spaten, Pflug, Grubber, Egge und Walze. Der Fels läßt ſich mit den landwirtſchaftlichen Geräten und Werk⸗ zeugen nicht bearbeiten, er iſt zu feſt gefügt.
Suchen wir nach Ausdrücken, die uns, immer im Vergleich zum Fels, das loſe Gefüge des Bodens erklären, ſo ſtoßen wir auf die Begriffe: Lockerheit und Zerbrechlichkeit. Von dieſen beiden Begriffen iſt die Zerbrechlichkeit leichter zu verſtehen, weil wir ſie uns mit Hülfe der Sinne beſſer zum Bewußtſein bringen können. Unterhöhlen wir, wie es beim Ausſchachten von Braun⸗ kohlen vorkommt, den Boden auf größere Ausdehnung, ſo ſtürzt er ein und zeigt uns ſeine Zerbrechlichkeit im großen, verſuchen wir den Boden mit dem Spaten oder mit der Hand aufzunehmen, ſo zeigt er uns ſeine Zerbrechlichkeit im kleinen. Es gibt in der deutſchen Sprache keinen Ausdruck, der das Weſen des Bodens, im Gegenſatz zum Fels, kürzer, faßlicher und anſchaulicher bezeichnet als das Wort: Zerbrechlichkeit.
Wir kommen daher bei der Erörterung der Frage: Wo finden wir den Boden? zu folgendem Schluß:
Wir finden den Boden an der trocknen Erdoberfläche; er geht ſenkrecht hinab bis zum Fels und breitet ſich wagerecht aus vom Fels bis zum Meer. Mit anderen Worten: Der Boden bildet die dünne und zerbrechliche Decke des Erdballs, auf der wir gehen und ſtehen.
3. Woraus beiteht der Boden?
Zu einer allgemeinen Beantwortung dieſer Frage gelangen wir, wenn wir an recht vielen verſchiedenen Stellen recht viele verſchiedene Böden unterſuchen und das Geſamtergebnis aller Einzelunterſuchungen in eine kurze Überſicht zuſammenziehen.
Die Unterſuchung wird teils in der freien Natur, teils im
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