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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
Entstehung
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2. Wo finden wir den Boden? 9

anfänglich in Papier, ſpäter in einer verſchloſſenen Glasflaſche auf⸗ bewahrt hatte. Haſelnußgroße, eckige Stücke dieſes Töpfertons zer⸗ fielen im Waſſer in Zeit von ½ Minute, förmlich lebendig werdend. Ein anderer, dunkelgrau gefärbter, kalkarmer Töpferton B*), im Limmattal bei Zürich geſammelt und ſeit 1886 zuerſt im Keller und dann in einem Zimmerſchrank aufbewahrt, verhielt ſich im Jahre 1903 im weſentlichen ebenſo; doch zerfiel er bei weitem nicht ſo raſch wie Ton A, indem das Zerfallen erſt nach drei Minuten begann und nach und nach erfolgte. Im Jahre 1892 begann das Zerfallen bei Ton B erſt nach 10 Minuten.

Das Zerfallen des Tons im Waſſer iſt eigentümlich; es macht den Eindruck, als ob kleinere oder größere, ſcharfkantige Brocken mit unſichtbaren Keilen abgeſpalten und nach zwei ſich rechtwinklig kreuzenden Richtungen immer weiter und weiter geſpalten werden. Am deutlichſten tritt dieſes eigentümliche Zerfallen bei dem Ton hervor, der in ſeinem natürlichen Gefüge ganz langſam und ſehr lange austrocknen konnte. Der Ton verliert dann ſein Hydratwaſſer. Wird er befeuchtet, ſo zieht er es mit Begier und unter Erwärmung wieder an ſich. Das plötzliche Zerfallen beruht alſo darauf, daß die Waſſerteilchen ſich mit Gewalt zwiſchen die Tonteilchen ſchieben, um ſich chemiſch mit ihnen zu verbinden.

Feuchter Ton zerfällt ſelbſtverſtändlich nicht ſo im Waſſer; wenn wir ihn aber mit einem Rührſtabe oder mit einem Borſtenpinſel be⸗ arbeiten, ſo läßt er ſich gleichfalls in Schlamm zerteilen. Eine friſch geknetete Tonkugel, etwa von Haſelnußgröße, bleibt im Waſſer an⸗ ſcheinend unverändert; laſſen wir ſie einige Tage im warmen Zimmer austrocknen, bis ſieſteinhart geworden, ſo zerfällt ſie, ins Waſſer gelegt, in Zeit von 20 bis 50 Minuten. Bei einem Felsſtück, z. B. bei einem Bruchſtück von Schiefer, Granit, Sernifit uſw., geſchieht dies ſelbſt in Wochen und Monaten nicht, und auch das Umrühren uſw. hilft nichts. Steinſalz und andere weiche Mineralien verhalten ſich ebenfalls anders als Boden; ſie löſen ſich wirklich und vollſtändig im Waſſer. Der Boden dagegen löſt ſich nicht oder doch nur zum kleinen Teil, ſondern er zergeht nur im Waſſer, trübt es und ſetzt ſich nach längerer oder kürzerer Zeit daraus ab.

*) Dieſer Ton zeigte bei der Prüfung mit Salzſäure keine Spur von Aufbrauſen.