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Praktische Bodenkunde : Anleitung zur Untersuchung, Klassifikation und Kartierung des Bodens / von Anton Nowacki
Entstehung
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8 Begriff und Weſen des Grund und Bodens.

Auch ein Flußbett kann zu Boden werden, wenn der Lauf des Waſſers eine künſtliche oder natürliche Verlegung erfährt. Beiſpiele: Flußkorrektionen, verbunden mit Durchſtechung der Serpentinen (Krümmungen), zur Sicherung des Bodens oder zur Beförderung der Schiffahrt.

An alle dieſe Vorgänge müſſen wir uns erinnern, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wo finden wir den Boden? Um aber in der Erſcheinungen Flucht einen feſten Punkt zu haben, ſchließen wir die Becken der Meere und Seen und die Betten der Flüſſe ſolange von dem Begriff des Bodens aus, wie ſie vom Waſſer bedeckt ſind. Denn es gehört zum Begriff und Weſen des Grund und Bodens, daß ſeine Oberfläche wirklich oben liegt, an der freien Luft, unter freiem Himmel.

Ebenſo haben wir den Gegenſatz zwiſchen Fels und Boden feſtzuhalten. Zwar arbeitet die Natur ununterbrochen darauf hin, die Felſen durch Zertrümmerung und Zerſetzung in Boden über⸗ zuführen, und die Natur kennt auch Mittel und Wege, den Boden wieder in Fels zu verwandeln. Aber trotz alledem dürfen wir uns nicht einbilden, Boden und Fels ſeien einerlei; wir müſſen uns viel⸗ mehr klar zu machen ſuchen, daß ſie zweierlei ſind.

Wodurch unterſcheiden ſich Boden und Fels?

Der Unterſchied beruht auf dem Gefüge: Fels iſt feſt ge⸗ fügtes Geſtein, Boden iſt loſe gefügtes Geſtein.

Dieſen Unterſchied können wir uns am beſten zur Anſchauung bringen, wenn wir die Gegenſtände, von denen die Rede iſt, in geeigneter Weiſe mit Waſſer behandeln. Legen wir ein friſch ab⸗ gehauenes kleines Felsſtück in eine Schüſſel mit Waſſer, ſo bleibt es unverändert in Größe, Geſtalt und Gefüge. Ein Erdbrocken da⸗ gegen zerfällt und zerfließt im Waſſer meiſt ſchon von ſelbſt zu einem Brei, oder er wird wenigſtens ſchlüpfrig und geſchmeidig, ſo daß wir ihn mit einem Holzſtäbchen zerdrücken und zerteilen können.

Daß die weniger feſt gebundenen Bodenarten(humoſer Sand, ſandiger Lehm uſw.) ſich ſo verhalten, iſt ohne weiteres einleuchtend. Überraſchend iſt es dagegen, daß auch der feſteſte,ſteinhart ge⸗ trocknete Töpferton faſt augenblicklich im Waſſer zerfällt.

Ich machte dieſe Beobachtung zum erſten Male Anfang der 1880er Jahre an einem hellgrau gefärbten, kalkhaltigen Töpferton A, den ich im Jahre 1870 bei Corbeil in Frankreich geſammelt und