Ernte und Aufbewahrung. 147
läßt— mit Unrecht, wie verſchiedene, darauf hin angeſtellte Unterſuchungen ¹) beweiſen.
Was zunächſt die Keimfähigkeit angeht, ſo ſteht es aller⸗ dings feſt, daß Getreidekörner ſchon verhältnismäßig frühe, ſelbſt wenn der Inhalt ſich noch in mehrweniger flüſſigem, „milchigem“ Zuſtande befindet, keimfähig ſind, allerdings nur in geringem Grade. In dem gleichen Verhältnis mit der Aus⸗ bildung und dem Reifezuſtand der Körner wächſt auch die Keim⸗ fähigkeit, bis ſie in der vollendeten Reife ihr Maximum erreicht. Werden die Körner unreif geerntet, ſo kann durch Nachreifen die Keimkraft bis zu einem gewiſſen Grade gehoben werden, be⸗ züglich der übrigen Eigenſchaften iſt dies nur in untergeordnetem Maße der Fall. Eine Gewichtszunahme findet, wenn die Körner noch eine Zeitlang mit den Halmen in Verbindung bleiben, allerdings ſtatt, allein ſie iſt weit geringer, als wenn der Schnitt ſelbſt erſt ſpäter ſtattgefunden hätte. So fand No⸗ wacki, daß die Körner(bei Weizen) von der Milchreife bis zur Gelbreife noch um 14 pCt. an Trockenſubſtanz zunahmen, während die Gewichtsvermehrung bei den milchreif geernteten Körnern durch Nachreifen nur 3,5 pCt. betrug. Auch dauert die Nachreife keineswegs lange Zeit an; man muß dieſen Vorgang nach etwa 8 Tagen für beendigt anſehen, da alsdann für ge⸗ wöhnlich eine weitere Gewichtszunahme der Körner nicht mehr ſtattfindet. Ebenſo unrichtig iſt die oft gemachte Annahme, daß mit fortſchreitender Reife die Dicke der Fruchthülle zunehmen ſoll, da Nowacki durch eine große Anzahl von Meſſungen gerade das Gegenteil feſtſtellte.
Eine zu frühe Ernte, bei der man ſich auf die Nachreife verläßt, kann alſo nur mit Nachteilen verbunden ſein; am beſten iſt es, wie überhaupt, ſo auch ganz beſonders bei der Brau⸗ gerſte, die Ernte womöglich in der Zeit der Vollreife vorzu⸗
¹) Lucanuz, Über das Reifen und Nachreifen des Getreides, Land⸗ meh befelihr, Verſuchsſtationen 1862, S. 147.— Siegert, ebenda.
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