146 III. Abſchnitt.
Ernte und Aufbewahrung.
Die Antwort auf die Frage, wann die Gerſte geerntet werden ſoll, erſcheint zunächſt ſehr einfach—„wenn ſie reif iſt“; anders ſtellt ſich jedoch die Sache, wenn man frägt„wann iſt die Gerſte reif“, d. h. welcher Reifezuſtand bietet die ſicherſte Gewähr, daß nach jeder Richtung hin eine möglichſt große Voll⸗ kommenheit in der Beſchaffenheit und den Eigenſchaften der Gerſte erreicht wird.
Die Ausbildung der Früchte und Samen erfolgt auf Koſten der in den Blättern gebildeten organiſchen Stoffe, welche aus dieſen in die Fortpflanzungsorgane einwandern. Mit der das herbſtliche Abſterben der Blätter kennzeichnenden Verfärbung derſelben hört zwar ihre aſſimilatoriſche Thätigkeit auf, die Translokation der in ihnen enthaltenen Bildungsſtoffe(Stärke, Zucker, Eiweißverbindungen, mineraliſche Beſtandteile) dauert jedoch noch eine Zeitlang fort. Man darf daher im Allgemeinen annehmen, daß die Ausbildung der Körner um ſo vollkommener wird, je länger ſie mit der Mutterpflanze in organiſcher Ver⸗ bindung bleiben. Gerade in der letzten Reifeperiode tritt noch eine namhafte Vermehrung der ſtickſtofffreien Beſtandteile, be⸗ ſonders der Stärke, in den Körnern ein, welche um ſo mehr ins Gewicht fällt, als die ſtickſtoffhaltigen Körper um dieſe Zeit nicht mehr merklich zuzunehmen pflegen.
Allerdings können, wenn der Schnitt noch in unreifem Zuſtande derſelben ſtattfand, was bisweilen aus äußerlichen Gründen nicht zu umgehen iſt, die Körner, wenn ſie noch längere Zeit in Verbindung mit den Ähren und Halmen ge⸗ laſſen werden, auf Koſten dieſer letztern ihre organiſchen Sub⸗ ſtanzen vermehren und„nachreifen“, wie ſich ſchon oberfläch⸗ lich an den dabei vor ſich gehenden Veränderungen im Innern der Körner und beſonders ihrer Gewichtszunahme erkennen läßt. Man hat auf dieſen Nachreifungsprozeß oft große Hoffnungen geſetzt und ſich davon ſogar mehr verſprochen, als wenn man die Körner ſelbſt auf dem Halme gehörig ausreifen


