Weitere Behandlung und Pflege. 145
Halmen. Tritt die Lagerung nur infolge von ſtarkem Regen ein, ſo richten ſich die Halme, wenn ſie noch nicht zu alt ſind, unter ſonſt günſtigen Umſtänden meiſt von ſelbſt wieder auf.
Im übrigen iſt das gute Gedeihen der Gerſte ſehr von der Witterung abhängig. Spätfröſte im Frühjahr oder an⸗ haltender Regen ſchädigen den Stand der jungen Pflanzen oft außerordentlich. Für die erſte Entwicklung iſt das Vorhanden⸗ ſein von genügenden Feuchtigkeitsmengen notwendig; daher beeinträchtigen lang andauernde Trockenheit und Dürre beſonders im Mai das anfängliche Wachstum der Gerſte oft in einem nicht wieder gut zu machenden Grade. Je älter die Pflanzen werden, deſto mehr Licht und Wärme bedürfen ſie zu ihrer Fortentwickelung; namentlich für die letzte Periode im Pflanzen⸗ leben, die Ausbildung der Samen, iſt die ſtärkſte Einwirkung dieſer beiden Wachstumsfaktoren notwendig. Fällt dieſer Höhe⸗ punkt ſchon früher ein, in die Periode der lebhafteſten Laub⸗ bildung, ſo wird das Geſamtwachstum gehemmt; mit der weiteren Produktion bleibt auch die Ausbildung der Samen zurück und es tritt die ſog. Notreife ein, ein Mißſtand, der durch anhaltende Trockenheit noch geſteigert werden kann. Gleich⸗ zeitig werden die in den Blättern durch Aſſimilation gebildeten Reſerveſtoffe gehindert, vollſtändig in die Samen überzugehen. Die Laubteile bleiben infolge davon längere Zeit ſaftig und grün, ja es kann ſoweit kommen, daß auf Koſten der Körner⸗ entwickelung neue Laubtriebe gebildet werden; die Pflanzen werden dann„zweiwüchſig“ und die Reife tritt überhaupt nicht mehr ein.
Endlich können gegen das Ende der Vegetationsperiode naßkalte Witterung die Reife verzögern, anhaltender Regen Lager⸗ frucht erzeugen und namentlich im Verlauf der Ernte ver⸗ urſacht andauerndes Regenwetter häufig eine ſchwere Schädigung derſelben.
Heine, Braugerſte. 10


