28 I. Abſchnitt.
Wärmegraden tritt die ungünſtige Wirkung noch heftiger auf, z. B. keimten nach 228 ſtündigem Quellen bei 1700. nur noch 0,4 pCt.! Natürlich machen ſich dabei auch individuelle Unter⸗ ſchiede geltend, inſofern ſchwächliche oder geſchädigte Körner ungünſtigen äußeren Einflüſſen noch weniger widerſtehen können.
Noch höhere Temperaturen ſchädigen die Gerſte ungemein ſchnell; ſo wird ſie nach Juſt ¹)
in Waſſer von 450 C. ſchon nach 5,
„ 5869 C.„„ 3, 5 650 C.„„ ½ Stunden getötet.
Weniger intenſiv tritt die Schädigung auf, wenn ſich die Gerſte nicht direkt in Waſſer, ſondern nur in dampfgeſättigter Luft befindet. Doch erlitt ſie auch hier ſchon bei 30 nach 4 Stunden Aufenthalt eine Verzögerung in der Keimung.
Ganz neuerdings ſind darauf bezügliche Verſuche noch ein⸗ mal von J. Kühn“) angeſtellt worden, gelegentlich eines Vor⸗ ſchlages von Jenſen, die Gerſte und den Hafer gegen den ſog. Brand dadurch zu ſchützen, daß man die Körner 5 Minuten lang mit Waſſer behandelt, welches genau auf 52 ½ C erwärmt worden iſt; hierbei ſollen die den Körnern anhaftenden Brand⸗ pilzſporen vollkommen getötet werden, ohne daß die Keimkraft der Gerſte bz. des Hafers ſelbſt in irgend einer Weiſe geſchädigt wird. Dagegen hat Kühn nachgewieſen, daß— abgeſehen von der Schwierigkeit, in der Praxis, die erwähnte Temperatur genau innezuhalten ³) einmal die Keimfähigkeit der Brandſporen nicht vollſtändig vernichtet wird, andererſeits diejenige der Gerſte ſelbſt aber erheblich leidet, wie aus folgenden Zahlen hervorgeht. Verwendet wurde durch vorſichtigen Dampfmaſchinen⸗ druſch gewonnene Gerſte von 98 pCt. Keimfähigkeit, von der ein
¹) Cohns Beiträge zur Biologie der Pflanzen, 1878, II. Bd., 3. Hft.,
S. 31. ²) Mitteilungen des landw. Inſtituts der Univ. Halle 31. März 1889. ³) Nach dem Einſchütten der im kalten Waſſer gequellten Gerſte ſank in einem Falle die Temperatur des Waſſers von 521 53 00C auf 420; erſt nach 14 Minuten war ſie wieder auf 52 ⅛ geſtiegen.


