Die Keimung. 25
Samen überhaupt auf einfachere Weiſe unmittelbar Aufſchluß zu erlangen. Von Außen kann man es einem Gerſtenkorn nicht anſehen, ob es keimen wird oder nicht, oder in einer größeren Probe Gerſte deren Keimfähigkeit prozentiſch nach dem äußern Anſehen be⸗ ſtimmen. Dagegen geht aus den Unterſuchungen von Haber⸗ landt ¹) und beſonders Dimitriewicz ²) hervor, daß man aus dem Verhalten und der Färbung des Embryos Schlüſſe auf die Keimfähigkeit ziehen kann. Halbiert man die Körner der Länge nach, ſo iſt, beſonders charakteriſtiſch beim Getreide, die Färbung des Keimlings im geſunden, normalen Zuſtande gelblich⸗grün, grünlich⸗gelb, auch weißlich⸗wachsgelb ꝛc., doch ſtets mit einem Stich in's Grünliche; iſt das Keimvermögen dagegen geſchwächt oder vernichtet, ſo kennzeichnet ſich dies durch eine Mißfärbung(blaßgelb, grau⸗bläulich, gelb⸗rötlich, bräunlich) der Knospen⸗ und Wurzelanlage des Keimlings. Bei der Behandlung eines ſolchen Schnittes mit Schwefelſäure ſoll ſich gerade bei der Gerſte der geſunde Keim ſofort intenſiv gelb, nach 2—5 Minuten roſenrot färben und dieſe Farbe ein bis mehrere Stunden beibehalten. Der geſchwächte Keim färbt ſich zunächſt mehr dunkelgelb, und die rote Färbung tritt erſt nach 15— 30 Minuten oder noch ſpäter auf. Zugleich quillt der geſchwächte oder abgeſtorbene Keimling dabei ſehr ſchnell auf, der geſunde erſt nach 30—60 Minuten.
So richtig dieſe Verhältniſſe auch ſein mögen, ſo ſind ſie doch zur Ermittlung der Keimfähigkeit von größeren Getreide⸗ mengen ſchwerlich zu verwerten, um ſo weniger, als zur ge⸗ nauen Feſtſtellung derſelben immerhin eine beträchtliche Anzahl Körner(4-500]) in der gedachten Weiſe behandelt werden müßten, ohne daß man ſchließlich doch die volle Gewähr hat, ſich nicht getäuſcht zu haben.
Als Ergänzung der Keimprobe kann in gewiſſen Fällen der Zuſtand des Korninnern allerdings zur Hülfe ge⸗
9 Vgl. Biedermann’s Centralblatt 1877, II, S. 233. ¹) Inaugural⸗Diſſertation, 1876, ck. ebenda, 1877, II, S. 122.


