Fünfzehntes Kapitel. Druſch und Ertrag. 193
Homer, der gern bildlich auf die Feldarbeiten hindeutete, hat das Austreten des Kornes beſchrieben; er ſagt:„So wie die Ähren, wenn ſie von den Ochſen in langer Reihe auf der geebneten Dreſchtenne geſtampft werden, alsbald unter den Hufen der Ochſen in Trümmer zerfallen, ſo Achilles...“; und etwas weiterhin vergleicht er den Staub, welcher ſich beim Kampfe der Griechen und Trojaner erhebt, mit dem, welcher das Reinigen des Getreides verurſacht:„So wie, wenn man das Getreide reinigt, Korn und Stroh mit dem Staube der Dreſchtenne durch den ſich erhebenden Wind weit fortgetrieben wird...“— Dies ſind nur poetiſche Vergleiche, aber wir lernen durch dieſelben die landwirtſchaftlichen Verfahren der alten Griechen kennen.
In den nördlichen Ländern wurde hauptſächlich der Dreſch⸗ flegel angewandt, weil man hier den Weizen nicht im Freien ausreiten kann und den langen Winter benutzt, ihn in der Scheune zu dreſchen. Noch heute ertönt der taktmäßige Schlag des Dreſchflegels in vielen unſerer Dörfer des nordöſtlichen Frankreich. Der kleine Bauer bedient ſich desſelben, um ſeinen Weizen auszudreſchen, wenn er weiter nichts zu thun hat. Aber der Flegeldruſch koſtete auf den großen Gütern den 16. bis 10. Teil des Kornes, d. i. 1 Frk. 50 bis 2 Frk. pro Hektoliter, und ein Mann konnte höchſtens 120 bis 2001 pro Tag ſchaffen. Das iſt zu teuer und geht zu langſam; wir müſſen heutzutage die genaueſte Sparſamkeit erſtreben und unſeren Weizen zu verkaufen ſuchen, wenn der Preis am höchſten iſt, was ge⸗ wöhnlich nach der Ernte der Fall iſt, bevor die Zufuhren von Amerika eintreffen.
Gute mit einem zweipferdigen Göpel betriebene Dreſch⸗ maſchinen können 50 bis 60 hl Korn im Tage liefern. Die durch eine 6⸗ bis 7 pferdige Dampfmaſchine betriebenen leiſten über 100 hl; der Druſch koſtet nur 30 oder 50 Cent. pro Hektoliter. Mit ſtärkeren Maſchinen iſt die Arbeit noch ſchneller und billiger. So läßt z. B. Desprez zu Capelle ſeine Moyettes, ſobald ſie trocken ſind, an eine Cumming'ſche Maſchine heranſchaffen, welche ihm 12 000 kg gut gereinigten Weizen pro Tag driſcht. In
Rimpau, Weizenbau. 13


