Vierzehntes Kapitel. Reife und Ernte. 189
Je nachdem es in den verſchiedenen Ländern gebräuchlich iſt, ſchwankt das Gewicht der Garben zwiſchen 4 und 15 kg. Im allgemeinen werden ſie dicker gemacht in den ſüdlichen Gegen⸗ den, kleiner im Nordweſten, wo die Feuchtigkeit das Reifen des Kornes und das Austrocknen des Strohes erſchwert. So wiegen z. B. in Schottland die Garben nur 5 bis 6 kg; man pflegt ſie dort in das noch mit Ähren verſehene Stroh der Ernte ſelbſt zu binden. In der Umgegend von Paris wiegen die Garben 10 bis 12 kg; wenn ſie ſchwerer als 15 kg ſind, wird ihre Handhabung für die Arbeiter, welche die Wagen laden, zu ſchwierig.
Scheune oder im Diemen verderben zu laſſen.— Es iſt nun eine eigentümliche Erſcheinung, die ich auf meinen Reiſen oft beobachtet habe, daß die Erntemethoden meiſt um ſo voll⸗ kommener ſind, je ſchlechter die Ernten ſind, ſei es infolge un⸗ günſtiger natürlicher Bedingungen, oder infolge mangelhafter Kultur und umgekehrt, daß man auf den beſten Böden und bei Landwirten, die es ſonſt an nichts fehlen laſſen und jedem Fort⸗ ſchritte zugänglich ſind, oft auffallend wenig Sorgfalt auf die Behandlung des gemäheten Getreides verwenden ſieht.— Bis zu einem gewiſſen Grade hat dies ſeine Berechtigung, denn, wie Nowacki ſehr richtig dargelegt hat, kann man die Sorgfalt bei der Aufſtellung der Garben nur ſo weit treiben, wie es mit den vorhandenen Arbeitskräften möglich iſt, ohne die Arbeit zu lange aufzuhalten. Es leuchtet aber ein, daß man zwar bei einer Strohernte von 3000 kg pro Hektar die Garben vielleicht ſorg⸗ fältig in Puppen ſetzen kann— die franzöſiſchen Moyettes ſind eine Art von Puppen—, daß man aber bei einer Strohernte von 8000 kg pro Hektar nur ſelten rationellerweiſe ſoviel Arbeitskräfte haben kann, um auch hier dieſelbe Sorgfalt an⸗ zuwenden. Wenn man vor der Wahl ſteht, einen Teil der Weizenernte wegen zu ſpäten Mähens ausfallen zu laſſen, oder den anderen Teil derſelben mit etwas weniger Sorgfalt auf⸗ zuſtellen, ſo wird man gewiß ſtets das letztere wählen.


