Vierzehntes Kapitel. Reife und Ernte. 181
Auf alle Fälle muß der Landwirt alle Mittel zur recht⸗ zeitigen Anwendung in der Hand haben, um die Ernte glatt von ſtatten gehen zu laſſen. Er muß ſeine Erntewagen und ſeine Maſchinen alle gut im Stande und die Anzahl von Ar⸗ beitern und Geſpannen zur Verfügung haben, durch die er die Arbeit am ſparſamſten einteilen kann.
„Die letzte Arbeit beim Getreidebau, ſagt Olivier de Serres, iſt die Ernte: die erwartete Belohnung für fleißige Arbeit. Freudig legt nun der Familienvater die letzte Hand an ſeine Scholle, um durch Gottes Segen den Ertrag derſelben zu gewinnen und ſein Korn im Schweiße ſeines Angeſichts zu mähen. Es iſt um ſo mehr Fleiß erforderlich, je größere Verluſte durch Nachläſſigkeit zu befürchten ſind, wenn unglücklicherweiſe heftige Winde, ſchwere Regen und andere ungünſtige Witterungsverhält⸗ niſſe während der Reife des Kornes eintreten, wodurch es oft zu Boden geworfen und vernichtet wird. Er hat ſchon lange die nötigen Gelder, Lebensmittel, Arbeitsleute und Gerätſchaften für dieſe mühſelige Arbeit in Bereitſchaft, auch ſeine Scheunen und Böden in ſtand geſetzt, damit es an nichts fehlt. Als Werkzeuge benutze man gut ſchneidende Sicheln, oder andere Inſtrumente, wie ſie in der Gegend landesüblich ſind und wähle nicht etwa aus Liebhaberei veraltete Geräte oder neue Erfin⸗ dungen von ungewohnter Form. Die Reife des Weizens iſt leicht an ſeiner gelben oder blonden Farbe zu erkennen und daran, daß die Körner feſt, aber noch nicht ganz erhärtet ſind. Dies iſt der richtige Zeitpunkt zum Schneiden; darin ſtimmen die alten und modernen Landwirte überein, daß ſie empfehlen, den Weizen etwas grünlich und nicht überreif in Angriff zu nehmen, da er in den Garben ausreift, und man nicht Gefahr läuft, beim Mähen und Einfahren viel zu verlieren, was man thun würde, wenn man ihn zu reif und trocken werden ließe, ſo daß eine große Menge Körner aus den Ähren unbenutzbar zu Boden fiele. Aus dieſem Grunde fange man viel lieber 2 oder 3 Tage zu früh an als etwas zu ſpät; man fürchte nicht, daß der Weizen dadurch eine ſchlechte Farbe bekommt; er nimmt


