180 Vierzehntes Kapitel. Reife und Ernte.
Stickſtoff bei der Düngung beſchränken und ſelbſt vom Stallmiſte ganz Abſtand nehmen, wenn der Boden ſchon viel Stickſtoff enthält, und ſich nur mineraliſcher Düngemittel bedienen, wie es Rémond zu Minpincien gethan hat. Zu dünne Saat kann ebenfalls dazu beitragen, die Reife eines Teiles der Ähren zu verzögern und ſie durch Begünſtigung einer übermäßigen Be⸗ ſtockung dem Verſchrumpfen auszuſetzen. Die ungariſchen Land⸗ wirte haben hierüber trübe Erfahrungen gemacht und ſind zu ſtärkerer Einſaat zurückgekehrt, nachdem ſie einige Jahre lang das Saatquantum zu ſehr verringert hatten.*)
Jedenfalls muß man unter ſonſt gleichen Umſtänden die Varietäteu zuerſt mähen, welche dem Ausfallen der Körner am meiſten ausgeſetzt ſind, wie den blauen Weizen. Auf Gütern, welche Böden von verſchiedener natürlicher Beſchaffenheit haben, iſt es leicht, für jedes Weizenſtück den günſtigſten Zeitpunkt für den Schnitt herauszufinden. Auf anderen Gütern thut man gut, mehrere Varietäten zu bauen, welche nach einander reifen.
*)(Anm. d. Überſ.) In Deutſchland ſind jedenfalls weniger als im ſüdlichen Frankreich ſolche Gegenden, in denen das Klima den Anbau der langſam und ſpät reifenden Weizen⸗ varietäten verbietet, wohl aber viele, deren Boden nicht genügend reich und waſſerhaltend für dieſelben iſt. Aber auch in unſeren beſten Gegenden wird immer die Hauptkunſt des Landwirtes beim Weizenbau darin beſtehen, durch Auswahl der geeigneten Varietäten, richtige Fruchtfolge, zweckmäßige Bemeſſung des Samenquantums und der Stickſtoffdüngung bei reichlichem Vor⸗ handenſein aller mineraliſchen Nährſtoffe einerſeits die Möglich⸗ keit der Erzielung höchſter Ernten unter normalen Witterungs⸗ verhältniſſen zu ſichern, andererſeits aber den Gefahren des Lagerns und der mangelhaften Kornausbildung(des„Ver⸗ ſchrumpfens“) vorzubeugen.— Daß uns aber gerade bei dem den Fährlichkeiten des Winters ausgeſetzten Weizen das Wetter leicht einen Strich durch die rationellſte Rechnung machen kann, leuchtet ein.


