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Der Weizenbau / von Eug. Risler. Übers. und mit Anmerk. vers. unter Berücksicht. deutscher Verhältnisse von W. Rimpau
Entstehung
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12 Erſtes Kapitel. Das Klima.

Und er legt dieſen Unterſchied in ſehr ſinnreicher Weiſe dar, in⸗ dem er die Nächte, während deren die Zerlegung der Kohlen⸗ ſäure und die ganze Thätigkeit der Aſſimilation unterbrochen iſt, mit den Anhaltpunkten eines Eiſenbahnzuges vergleicht. In den hohen Breitengraden haben dieſe Anhaltepunkte ſehr kurzen Aufenthalt und die Vegetation ſchreitet mit Schnellzug⸗ Geſchwindigkeit fort, während in unſeren Ländern der Weizen⸗ wuchs die langſamere Gangart der Perſonenzüge hat.

Es iſt oft recht ſchwer, genau zu ſagen, wo eine Varietät aufhört und wo eine andere anfängt. Der Oberſt Lecouteur (von Jerſey), welcher eine ſehr berühmte Sammlung von Weizen⸗ varietäten hatte, berichtet, daß auf einem Felde, welches er als ganz mit einer und derſelben Weizenvarietät beſäet betrachtete, es dem Profeſſor La Gasca gelang, 23 Varietäten zu finden. Das beweiſt, daß der Profeſſor La Gasca eine viel eingehendere und genauere Klaſſifikation hatte, als die des Oberſt Lecouteur; ſie war unzweifelhaft viel zu kleinlich. Aber dies zeigt auch, daß es auf einem und demſelben Felde eine gewiſſe Anzahl von mehr oder weniger unterſcheidbaren Varietäten und Untervarie⸗ täten giebt. Dieſe zuerſt unſcheinbaren Unterſchiede prägen ſich unter gewiſſen Einflüſſen ſchärfer aus, und es bilden ſich nach und nach wirkliche Varietäten da, wo erſt nur individuelle Unter⸗ ſchiede vorhanden waren. Die dem Boden und dem Klima am beſten angepaßten Individuen vermehren ſich ſtärker als die an⸗ dern und erlangen nach und nach das übergewicht; nach Ver⸗ lauf einiger Jahre ſind ſie in der Mehrheit, und die Varietät hat neue Charaktere angenommen oder es hat ſich eine neue Varietät gebildet.

reifender Sorten geſtatten, wird man gewöhnlich mit den letzteren höhere Ernten erzielen. Kürzeſte Vegetationszeit und höchſte Erträge bilden gewiſſermaßen eine contradictio in adjectu, denn nur durch möglichſte Ausnutzung der warmen Jahreszeit mit intenſiver Beleuchtung kann die Pflanze die größten Mengen organiſcher Subſtanz durch Aſſimilation erzeugen.