Feuchtigkeit. 13
Wir werden ſpäter bei Beſprechung der Wahl der Varie⸗ täten hierauf zurückkommen. Für den Augenblick ſind wir dabei, die allgemeinen Vegetationsbedingungen des Weizens zu ſtudieren. Fahren wir fort:
Feuchtigkeit.— Nach meinen Beobachtungen hat der Weizen, bei 565 Halmen pro Qu.⸗Meter, in ſeinen Blättern eine 10mal größere Verdunſtungs⸗ oder Tranſpirations⸗Ober⸗ fläche als der Boden, welchen er bedeckt, und verbraucht im Durchſchnitt pro Tag von 2,67 bis 2,8 mm Waſſerhöhe, etwas mehr im Frühjahr, etwas weniger im Sommer. Nun fallen im Mittel auf meinen Feldern(zu Calèves am Genfer See) 258 mm Waſſer während der Monate März, April, Mai und Juli, der thätigen Vegetationsperiode des Weizens; das macht alſo nicht viel mehr als 2 mm pro Tag. Mein Weizen muß daher, um ſeinen Bedarf zu decken, im Boden einen Vorrat an Feuchtigkeit finden, welcher von den Regen⸗ und Schneefällen des Winters herrührt und die Erde muß eine genügend große Abſorptions⸗ kraft beſitzen, um dieſe Feuchtigkeit feſtzuhalten. Auf der andern Seite des Juragebirges, wo die Regenfälle viel beträchtlicher ſind, im Weſten, läuft der Weizen ſelten Gefahr an Waſſer⸗ mangel zu leiden, ſelbſt auf den leichten Böden; auf den ſchweren Böden hat er ſogar leicht zu viel Waſſer.
In Oſterreich hat Haberlandt für die Verdunſtung des Sommerweizens nur 1,18 mm pro Tag gefunden, aber er rech⸗ net nur eine Million Weizenpflanzen pro Hektar, eine Zahl, die augenſcheinlich viel zu niedrig iſt.
Das Waſſer dient nicht nur dazu, die Celluloſe, die Stärke ꝛc. der Pflanzen zu bilden, indem es ſich mit dem der Atmoſphäre entzogenen Kohlenſtoff verbindet, ſondern es führt ihr auch die ſtickſtoffhaltigen und mineraliſchen Stoffe zu, welche es in der Erde löſt. Nach den Unterſuchungen von Lawes und Gilbert kommen auf 100 000 g durch den Weizen ver⸗ dunſtetes Waſſer 404— 485 g gebildeter Trockenſubſtanz und dieſe Trockenſubſtanz enthält 32— 57 g Mineralſtoffe. Die ver⸗ brauchte Waſſermenge iſt im Verhältnis zur erzeugten Trocken⸗


