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Der Weizenbau / von Eug. Risler. Übers. und mit Anmerk. vers. unter Berücksicht. deutscher Verhältnisse von W. Rimpau
Entstehung
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10 Erſtes Kapitel. Das Klima.

der im Innern der Kontinente Varietäten, welche durch eine ſchnellere Reife der Gefahr des Verſchrumpfens entgehen können, z. B. der Roſeau⸗Weizen, der blaue oder Noé⸗Weizen. Der rote Schottiſche, der Hunter, der Crépi⸗Weizen, der Shireff⸗ Weizen*) ꝛc. vertragen die rauheſten Winter, während der weiße Richelle von Neapel, der Talavera ꝛc. nur für den Süden Frank⸗ reichs paſſen.

Einige Weizenvarietäten, z. B. der blaue oder Noé⸗Weizen, können ebenſo gut im Herbſt wie im Frühjahr geſät werden. Andere ſind geradezu entweder Winter⸗ oder Sommerweizen. Wenn man verſucht die erſteren im Frühjahr zu ſäen, ſo läuft man Gefahr, kein einziges Korn zu bekommen; ſie ſchoͤſſen nicht, und zwar um ſo weniger, wenn die Saat von einem Lande be⸗ zogen war, wo die Winter kälter ſind. Dahingegen wenn man einen Sommerweizen im Herbſt ſät, ſo hat man viel Ausſicht, ihn durch den Froſt zu verlieren. Übrigens iſt es möglich, all⸗ mählich, nach einer längeren Reihe von Jahren gewiſſe Winter⸗ weizen in Sommerweizen umzuwandeln und umgekehrt.

Ebenſo kann ſich eine Varietät auf die Länge dem Klima, in welchem ſie gebaut wird, anpaſſen und ihre Lebensbedürfniſſe je nach den Erforderniſſen dieſes Klimas verändern. Wenn ſie in ein anderes Klima verſetzt wird, behält ſie die Lebensbedürf⸗ niſſe, welche ſie angenommen hatte, noch einige Jahre bei, aber nach und nach verſchwinden dieſelben.

So hat Profeſſor Schübeler in Chriſtiania nachgewieſen, daß aus der Fremde bezogene Wetzenſaat, d. h. aus ſüdlicheren Gegenden als Norwegen, immer weniger frühreif iſt als Saat derſelben Varietät, welche im Lande geerntet wurde. Toskana⸗ Weizen und Viktoria⸗Weizen, welche aus England bezogen waren, wurden mit dem Landweizen verglichen. Alle drei wurden im Mai geſät und gebrauchten, um zur. Reife zu gelangen:

*)(Anm. d. Überſ. Es iſt hier Shireff's Squarehead gemeint.