276 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.
Geſchieht der Maisbau im kleinen, wie gewöhnlich in Süddeutſch⸗ land, ſo werden bei der Ernte die Kolben ausgebrochen, und nachdem man die Deckblätter zurückgeſtreift, zu je 2 zuſammengebunden auf dem Speicher oder unter dem Vordach der Häuſer über geſpannte Schnüre gehängt, ſo daß der Luftzug ſie von allen Seiten frei beſtreichen kann. Sind größere Quantitäten zu verſorgen, ſo werden bei der Ernte die Lieſchen mit einem Meſſer oder einem Nagel aufgeſchlitzt, die Kolben abgenommen, auf dem Schüttboden flach ausgebreitet und fleißig um⸗ geſchaufelt, damit ſie ſchnell austrocknen und nicht verſchimmeln. Das Austrocknen erfordert in unſerem Klima immerhin einige Wochen.
Das Entkörnen oder Abrebbeln geſchieht entweder von Hand mit einem ſtumpfen Meſſer oder über dem eiſernen Steg eines Scheffels, oder bei größeren Quantitäten durch Abdreſchen auf einem Latten⸗ roſte, oder mit einer einfachen Maſchine, dem ſog. Maisrebbler, mit dem drei Mann täglich 15— 22 hl Körner fertigen können.
Für den Samenbedarf bewahrt man die Kolben in den Lieſchen bis zum Frühjahr auf und rebbelt nur die Körner von dem unteren Drittel oder nur von der Mitte des Kolbens ab, weil hier die größten und vollkommenſten Körner ſitzen.
Die Stengel werden im Spätherbſte abgehackt und bei Futter⸗ mangel ſamt den Spindeln zu Häckſel geſchnitten, gewöhnlich aber als Kompoſt⸗ oder Brennmaterial benutzt.
Ertrag.— Körner 20— 80 hl pro Hektar. Stroh 2500 bis 6000 kg pro Hektar.
Grünfuttermais: Badenſcher 5000— 7000 kg, Pferdezahn 7000 bis 12 000 kg pro Hektar. In Bezug auf den Futterwert ſind 4 kg Badenſcher ſo gut wie 5 kg Pferdezahnmais.
Die Hirſe, Panicum miliaceum.
Die Hirſe iſt zwar ebenfalls ein Kind des warmen Klimas, aber ſie paßt doch beſſer in die norddeutſchen Wirtſchaftsverhältniſſe als der Mais. Sie hat ſich ſeit alten Zeiten bei uns eingebürgert, und wir werden ſie wohl niemals ganz fallen laſſen, wenn ſie ſich auch mit unſeren Hauptgetreidearten: Weizen, Roggen, Gerſte, Hafer in Bezug auf allgemeine wirtſchaftliche Bedeutung nicht meſſen kann. Ihre Fruchtbarkeit und der liebliche Geſchmack ihrer nahrhaften Körner mögen die Urſache ſein, daß ſie in manchen Gegenden zu einer Art Nationalgericht geworden iſt, denn bekanntlich darf der Hirſebrei in den ehemals ſlaviſchen Provinzen des deutſchen Reiches bei keiner Hochzeit oder Kindtaufe auf dem Tiſche fehlen. Mit der Entwicklung des Verkehrs iſt freilich die Hirſe in neuerer Zeit mehr und mehr durch den Reis aus ihren alten Rechten verdrängt worden; doch halten die konſervativen Bauersfrauen bei den genannten Feſtlichkeiten auch heute noch an dem Hirſebrei feſt.
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