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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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262 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.

Rimpau dagegen ſagt:Der beſte Reifegrad der Gerſte für das Mähen iſt nicht die ſogenannte Gelbreife, wie bei anderen Getreide⸗ arten, ſondern die Totreife. Als zweckmäßigſte Erntemethode iſt zu empfehlen, die Gerſte ſogleich hinter der Senſe oder nach wenigen Tagen zu binden und aufzuſtellen..

In Bezug auf die Erntemethoden habe ich mich ſchon S. 215 ausgeſprochen. In Bezug auf den Zeitpunkt der Ernte halte ich auch bei der Gerſte an der Gelbreife feſt. Zeigt das Gerſtenkorn quer durchgeſchnitten keine Spur mehr von grünem Chlorophyll, ſo iſt es gelbreif und mähereif. Vorher nicht! Hier eine Erfahrung aus der Praxis.

Ein Schlag prachtvoller Gerſte ging der Reife entgegen. Am Sonnabend Vormittag 10 Uhr kam ich nach genauer Unterſuchung der Ähren und Körner zu dem Schluß: Die Gerſte iſt gelbreif, alſo muß ſie noch heute gemäht werden! Mit Aufbietung aller erlangbaren Kräfte ward die Arbeit bis zum Eintritt der Nacht fertig geſchafft. Am Sonntag blieb die Gerſte unberührt liegen, am Montag wurden die Schwaden gewandt. Am Mittwoch früh zog ich mit 4 Drei⸗ ſpännern auf das etwas weit abgelegene Feld, und alles, was Arme und Beine hatte, zog mit. Da der Tau noch nicht abgetrocknet war, ließ ich vorerſt die Strohſeile über das ganze Feld verteilen. Dann wurde die Gerſte aus den Schwaden aufgeräfft, bei dem Aufraffen ſogleich in ſtarke Garben gebunden und, als genügend Vorrat, ſofort eingefahren. So floß die Arbeit munter fort bis abends 9 Uhr, wo der ſtarke Tau Einhalt gebot. 35 dreiſpännige Fuder waren drin, einige Dutzend Stiegen(4 Fuder) blieben draußen. Sie wurden mit dem zuſammengeharkten Reſt am Donnerstag geholt. Die letzten beiden Fuder kamen aber ſchon naß in die Scheune. Von da an regnete es faſt ununterbrochen ſieben Tage lang, und auch nachher blieb das Wetter unbeſtändig. Was wäre aus meiner ſchönen Gerſte geworden, wenn ich ſie nicht in der Gelbreife gemäht hätte? Was wäre gar aus ihr geworden, wenn am Donnerstag ſtatt des Regens ein Hagelwetter gekommen wäre?

Darum ſage ich: Keine Stunde verſäumen! Naßwerden möglichſt vermeiden, ſonſt verliert die Gerſte die helle Farbe. Aber trocken ein⸗ fahren! Gerſte erwärmt ſich leicht zu ſtark, und dann geht die Farbe in der Scheune verloren. Gleichzeitiges Mähen, Einfahren und Ab⸗ dreſchen befördert gleichmäßiges Keimen der Gerſte beim Malzen. Alſo zu verſchiedener Zeit Gemähtes trennen, nötigenfalls durch Da⸗ zwiſchenlegen von Stangen. Ausdreſchen erſt nach dem Schwitzen, weil die Körner bei mäßiger Erwärmung im Haufenmürber werden, d. h. eine Art Vorkeimung durchmachen. Bei Braugerſte dreſchen mit dem Flegel beſſer als mit der Maſchine. Sorgfältiges Reinigen mit dem Trieur ꝛc. unerläßlich, um die zerbrochenen und die ſchmalen Körner abzuſcheiden.

Ertrag. Eine Mittelernte an Gerſte, wobei zweizeilige