260 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.
zur Erreichung ſeines Zweckes den entgegengeſetzten Weg einſchlagen müſſen.“
Es verdient hinzugefügt zu werden, daß nach dem Bericht von Maercker vom Jahre 1885 auch 5 Gerſtenproben zur Beurteilung und zur Unterſuchung kamen, die ohne jede Stickſtoffdüngung, aber mit einer ſtarken Phosphorſäuredüngung angebaut waren. Dieſe Proben zeichneten ſich allerdings größtenteils durch eine hochfeine Beſchaffenheit aus. Es wurde ihnen ſeitens der Preis⸗ richter das Prädikat Ia, Ib, Ic, Id und II zuerkannt, während V die niedrigſte Nummer der Klaſſifikation war. Der Proteingehalt bei dieſen fünf Proben ſchwankte zwiſchen 7,7 und 8,8%, war alſo ſehr niedrig; die Mehligkeit ſchwankte zwiſchen 82 und 88%, war alſo ſehr hoch.
Bei ſpäteren Verſuchen trat eine entſchiedene Wirkung der Phos⸗ phorſäure nicht hervor. Dennoch iſt bei der Produktion von Braugerſte die Phosphorſäuredüngung im Auge zu be⸗ halten.
Bei den Verſuchen in der Provinz Sachſen wurde auch die Wirkung der Kaliſalze geprüft. Das Reſultat war, daß man durch die Kalidüngung eine proteinreichere, aber weniger wertvolle Brau⸗ gerſte erhält. Dagegen hat ſich bei den Verſuchen in leichtem Boden herausgeſtellt, daß die Kaliſalze die Quantität des Ertrages in außer⸗ ordentlich günſtiger Weiſe beeinfluſſen.
Hiernach iſt die Kalidüngung auf leichtem Boden voll⸗ ſtändig rationell, auf beſſerem Gerſtenboden dagegen von Nachteil.
Ausſaatquantum.— Nach dem Bericht von Maercker über die Wirkſamkeit der agrikulturchemiſchen Verſuchsſtation des landwirtſchaft⸗ lichen Zentral-Vereins der Provinz Sachſen im Jahre 1884 wurde dort auch eine große Anzahl Verſuche mit Dick⸗ und Dünnſaat und weiter und enger Drillweite ausgeführt. Früher wurde bei den Ver⸗ ſuchen immer ſo operiert, daß z. B. auf 6 Zoll Drillweite mit 50 Pfund Ausſaat, bei 12 Zoll mit 25 Pfund Ausſaat(pro Morgen) beſtellt wurde; natürlich ſtand unter dieſen Verhältniſſen in den Reihen immer eine gleiche Anzahl Pflanzen. Das wurde nun im Jahre 1884 ſo ab⸗ geändert, daß ſowohl Reihenweite, als auch Ausſaatſtärke bei gleicher Reihenweite vielfach variiert wurden. Das Reſultat war, daß die Reihenweite ohne Einfluß auf die Zuſammenſetzung der Gerſte, daß aber die Stärke der Ausſaat von erheblichem Einfluß iſt, indem bei ſchwacher Ausſaat die Gerſte ſtickſtoffreicher wird und da⸗ durch an Wert einbüßt. Natürlich, wenn zu ſchwach ausgeſäet wird, ſo wird der einzelnen Pflanze eine zu große Produktion zugemutet; ſie hat eine viel größere Anzahl von Halmen und Ähren zu treiben, und dabei ſieht man, daß die mittleren Ähren ſehr vollkommen ent⸗ wickelt, die außenſtehenden dagegen mehr oder weniger verkümmert und unreif ſind.(Neue Beſtätigung meiner Theſe: Bei einer Ge⸗ treidepflanze, die Körner produzieren ſoll, iſt die allzureichliche Be⸗


