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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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Die Gerſte. 255

Ich glaube nicht. Wir könnten ſonſt mit fortſchreitender Erkenntnis leicht dahin gelangen, Weizen, Roggen und Gerſte zu einer Art zu vereinigen. Künſtliche Kreuzungen zwiſchen Weizen und Roggen, zwiſchen Weizen und Gerſte ſind ja ſchon gelungen, und trotz aller vorgebrachten Zweifel ſcheint Carmen, New⸗York, 1882 in der That einen fruchtbaren Baſtard zwiſchen Weizen und Roggen erzielt zu haben. Hieran iſt um ſo weniger zu zweifeln, als Rimpau im Jahre 1888 ebenfalls einen, zwar ſehr beſchränkt fruchtbaren, aber doch thatſächlich fruchtbaren Baſtard zwiſchen Weizen und Roggen erzielte. Wir bleiben daher auch hier bei der Einteilung, die Metzger aufgeſtellt hat.

Üüberſicht der Gerſten-Arten.

I. Vielzeilige Gerſten. Ähre regelmäßig oder unregelmäßig ſechszeilig. Alle drei Ährchen fruchtbar (mit Fruchtknoten und Staubgefäßen verſehen). 1. Sechszeilige Gerſte, Hordeum hexastichum. 2. Gemeine Gerſte, Hordeum vulgare.

II. Zweizeilige Gerſten. Ähre zweizeilig. Nur das mittelſte Ährchen fruchtbar und begrannt; die beiden ſeitenſtändigen ÄAhrchen männlich(nur mit Staubgefäßen verſehen) und grannenlos. 3. Reis⸗ oder Pfauengerſte, Hordeum zeocrithum. 4. Zweizeilige Gerſte, Hordeum distichum.

Der praktiſche Landwirt wird wohl daran thun, dieſe 4 Arten ſcharf auseinanderzuhalten, und zwar nicht bloß am grünen Tiſche, ſondern auch bei der Ausſaat, bei der Ernte, in der Scheune und auf dem Speicher. Dieſe Mahnung iſt um ſo mehr am Platz, als man ſelten ein Gerſtenfeld findet, das bei genauerer Unterſuchung nicht ein Gemenge von verſchiedenen Arten aufweiſt. Ein ſolcher Miſchmaſch hat aber namentlich als Malzgut einen viel geringeren Wert, weil die verſchiedenen Gerſtenarten ungleichzeitig keimen, ſich überhaupt zur Malzbereitung nicht gleich gut eignen.

Für den feldmäßigen Anbau im mittleren Europa ſind auszu⸗ ſchließen: die ſechszeilige Gerſte mit 6 regelmäßigen Zeilen, und die zweizeilige Pfauengerſte mit fächerförmig ausgebreiteten Grannen, beides altertümliche Arten, denen man nur noch hier und da, z. B. in den Gebirgsthälern der Schweiz begegnet.

Wirtſchaftliche Bedeutung haben daher nur die gemeine Gerſte und die zweizeilige Gerſte. Zu dieſen beiden Arten gehören die modernen Kulturgerſten, die wir hier allein berückſichtigen. Die edelſte Gerſte iſt die zweizeilige Gerſte mit langer hängender Ähre: ſie liefert das feinſte Korn und ſie iſt zugleich ausgezeichnet durch die Länge der Grannen. Beides ſteht im Zuſammenhange, denn Zoebl hat nachgewieſen, daß die Grannen keineswegs überflüſſig, ſondern