Die Gerſte. 253
3. Die Seitenährchen der zweizeiligen Gerſte ſind verkümmert. Folglich iſt es wahrſcheinlich, daß ſie aus einer vier⸗ oder ſechszeiligen Form hervorgegangen iſt.
4. Die vierzeilige Gerſte iſt heutzutage viel gemeiner und an⸗ erkanntermaßen nutzbarer und wertvoller, als die ſechszeilige Gerſte. Folglich iſt es wahrſcheinlich, daß die vierzeilige Gerſte jünger iſt, als die ſechszeilige, da nach dem Grundſatz der Zuchtwahl die beſten Kultur⸗ formen die letzten ſind.
5. Die edelſte, vollkommenſte, gegenwärtig in Mitteleuropa am häufigſten, in England vorzugsweiſe oder ausſchließlich gebaute Form,
R Fig. 140. Keimling der Gerſte, Hordeum Fig. 141. Fig. 142. distichum, mit 8 Würzelchen, im Längsſchnitt. Fig. 141 und 142 zweizeilige Gerſte k das Keimpflänzchen, s das Schildchen. Hordeum distichum. Fig. 141 ein nor⸗ Vergrößernng 15 fach. males Korn, Fig. 142 ein Zwillingskorn
mit gabelförmig geteilter Granne. sp Ährenſpindel, k Klappen, g Granne. Vergrößerung 2 fach.
die zugleich die meiſte Variabilität zeigt, iſt die zweizeilige Gerſte. Folglich iſt es wahrſcheinlich, daß ſie die jüngſte Kulturform iſt.
6. Der Anbau der echten ſechszeiligen Gerſte hat faſt gänzlich aufgehört. Folglich iſt es wahrſcheinlich, daß ſie die älteſte Kultur⸗ form iſt.
Wie man ſieht, kommen dieſe Sätze gerade auf das Gegenteil von dem hinaus, was Körnicke annimmt.
Daß die Formen der kultivierten zweizeiligen, vierzeiligen und ſechszeiligen Gerſte auseinander hervorgegangen ſein können, muß zu⸗ gegeben werden. Die Zwiſchenformen, die Körnicke und andere ge⸗ funden, oder gezüchtet haben, ſtellen die Möglichkeit einer ſolchen Ent⸗ wicklung außer Zweifel. Ich ſelbſt kann beſtätigend hinzufügen, daß ich im Auguſt 1885 in der Gegend zwiſchen der Stadt Berleburg


