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Anleitung zum Getreidebau auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage / von Anton Nowacki
Entstehung
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252 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.

In den einzelnen Provinzen geht der Ertrag des Roggens dem des Weizens parallel.

Das Gewicht des Winterrogens pro Hektoliter ſchwankt zwiſchen 66 und 80 kg und beträgt im Mittel 73 kg.

Der Ertrag an Stroh wechſelt bei Winterroggen zwiſchen 2900

und 9000 kg, und bei Sommerroggen zwiſchen 1500 3000 kg pro Hektar. Das Verhältnis des Körnerertrags zum Strohertrag ſchwankt bei Winterroggen zwiſchen 46:54 und 11:89, und bei Sommerroggen zwiſchen 41:59 und 27:73. Bei dieſen großen Verſchiedenheiten der Verhältniszahlen hat es kaum einen Zweck, den Durchſchnitt zu be⸗ rechnen.

Die Gerſte,

Hordeum.

Üüber die Abſtammung und Entſtehung der Gerſte hat Körnicke folgende intereſſante Theorie aufgeſtellt:

Die wilde Stammform iſt Hordeum spontaneum. Dieſe Form iſt vom Kaukaſus bis Perſien, ferner in Kleinaſien, in Syrien, in Paläſtina und in den Wüſten des ſteinigen Arabiens gefunden worden.

Bei der Kultur wurde die Spindel von H. spontaneum zäh und verlor ihre Eigenſchaft auseinanderzufallen. Die Ahren verlängerten, die Früchte vergrößerten ſich und die Grannen wurden dünner. So entſtand die nickende zweizeilige Gerſte. Aus dieſer entſtand die auf⸗ rechte zweizeilige Gerſte, indem die Spindelglieder ſich verkürzten. Aus dieſer bildete ſich die Pfauengerſte heraus durch noch ſtärkere Verkürzung der Spindelglieder, Vergrößerung der Früchte nach der Baſis zu und Spreizen der Früchte mit ihren Grannen.

Als nun auch die Seitenährchen fruchtbar wurden, da entſtand aus der nickenden zweizeiligen Gerſte die vierzeilige; ferner aus der aufrechten zweizeiligen Gerſte die parallele ſechszeilige und aus der Pfauengerſte die pyramidale ſechszeilige.

Das iſt ungefähr der Inhalt der Theorie. Wäre ſie richtig, ſo wären wir in der Erkenntnis allerdings ein gut Stück weiter gekommen. Aber eine Theorie kann wahr, kann auch falſch ſein. Wir wollen die vorliegende nicht ganz von der Hand weiſen, erlauben uns aber doch einige Einwände:

1. Durch die Kultur kann die zerbrechliche Spindel von H. spon- taneum nicht zähe werden, wie der Spelz beweiſt, ſondern nur durch die Natur, d. h. durch ſpontane Abänderung.

2. In der Steinzeit der keltiſchen Pfahlbauten war die ſechs⸗ zeilige Gerſte(H. hexatichum sanctum und densum) die häufigſte Form; die zweizeilige Gerſte(H. distichum) war dagegen ſehr ſelten. Folglich iſt es wahrſcheinlich, daß die ſechszeilige Gerſte die ältere, die zweizeilige Gerſte die neuere Kulturform iſt.