250 Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.
meliorierter Humus iſt ihm gänzlich zuwider. Dagegen verſchmäht er den gemeinen Sandboden nicht und begnügt ſich ſelbſt mit dem dürftigſten Sand⸗- und Grandboden, auf dem jede andere Halmfrucht den Dienſt verſagt.—
Düngung, Beackerung und Vorfrucht.— Auf magerem
Lande verlangt oder liebt der Roggen eine Düngung mit Stallmiſt.
Auf reicherem Boden ſteht er beſſer in zweiter Tracht. Künſtlichen“ 2
Dünger bezahlt der Roggen nur bei mäßiger Verwendung. Auf vielen Roggenböden wird die Phosphorſäure in Form von Thomas⸗ ſchlackenmehl eine gute Wirkung äußern(vergl. S. 151). 9
Seinen beſten Stand hat auch der Roggen nach der Brache (vergl. S. 146). Gute Vorfrüchte ſind: Raps, Rübſen, Tabak, Lein, Bohnen, Erbſen, Wicken, Lupinen; weniger gute: Buchweizen, Spörgel,
Hirſe. Auch nach Frühkartoffeln kann auf leichterem Boden Roggen⸗
dfolgen. Stoppelroggen iſt für beſſeren Boden nicht zu empfehlen, wohl aber für leichteren Sandboden, ſofern die Made der Heſſenfliege:
nicht vorhanden iſt. Roggen nach Gerſte oder Hafer iſt im all⸗ gemeinen fehlerhaft; nur nach gedüngter Gerſte darf Roggen folgen.
Bei der Beackerung zu Winterroggen kommt es darauf an, den Boden locker und mürbe, aber nicht loſe und mehlig zu machen. Die letzte Furche drei Wochen vor der Saat, damit das Land Zeit hat, ſich zu ſetzen. Die Beackerung zu Sommerroggen wird im Herbſt vollführt.— Im übrigen vergl. S. 146.
Saatzeit.— Die alte Regel:„S Tage vor, 8 Tage nach Michaeli iſt die beſte Saatzeit“ gilt auch für den Roggen. Stauden⸗ roggen früh, ſchon in der erſten Hälfte des September. Trockenes Wetter zur Saat, namentlich auf ſchwerem Boden.— Sommerroggen früh: wo möglich im Februar oder März, ſpäteſtens Anfang April.
Saatmethode.— Auch bei dem Roggen iſt die Drillſaat vor⸗ zuziehen(vergl. S. 173). Die Einwände, die Hufeland(Hehlen) gegen das Drillen vorgebracht hat,¹) ſind nicht ſtichhaltig. Daß man der Drillſaat zuliebe die beſte Saatzeit nicht vorübergehen laſſen darf, verſteht ſich von ſelbſt. Aber wenn es der Zuſtand des Bodens er⸗ laubt, den Roggen einzueggen, ſo kann man ihn auch eindrillen, und die flache Unterbringung, die H. mit Recht betont, läßt ſich mit der Drillmaſchine ſicherer erreichen als mit der Egge, die einen Teil der Körner zu tief bedeckt und einen anderen Teil gar nicht. Das Vor⸗ eggen oder Vorwalzen muß der Breitſaat ebenſowohl vorausgehen, wie der Drillſaat, ſonſt kommt der Same zu tief, und ein umſichtiger Landwirt vollführt dieſe Vorarbeiten nicht erſt heute, wenn er morgen ſäen will.— Aus der Beobachtung, daß 20 Morgen nach Zerſtörung der erſten Saat zum zweitenmal gedrillter Roggen durch den„Wurm“ total verloren gingen, während 15 Morgen an demſelben Tage breit⸗ würfig geſäeter erhalten blieben, zieht H. den Schluß, daß die Breit⸗ ſaat gegen den„Wurm“ ſchützt und daher vor der Drillſaat den
¹) Jahresbericht von Buerſtenbinder und Stammer, 1887, S. 134.


